Umfragen: Kurzfristbuchungen nehmen zu

Wurde vor rund vier Wochen noch fast ausschließlich Deutschlandurlaub gebucht, verlagert sich das Interesse nun zusätzlich in Richtung Flugreisen ans Mittelmeer.

Wieder stark nachgefragt: die Balearen. (Foto: Pixabay/Cervusvir)
Wieder stark nachgefragt: die Balearen. (Foto: Pixabay/Cervusvir)
Claus Bünnagel

Umfragen der vergangenen Tage zeigen, dass viele Menschen in diesem Sommer noch in den Urlaub starten möchten, aber bisher noch nicht gebucht haben. Dies spiegelt sich auch in der Nachfrage im Reisevertrieb: Seit zwei Wochen ist den Auswertungen vom Marktforschungsunternehmen TDA Travel Intelligence zufolge ein deutlicher Anstieg der Buchungen für die Ferienmonate Juli und August zu verzeichnen. Spontan- und Kurzfristbuchungen nehmen damit nach dem Restart des Reiseverkehrs bei Reisebüros und Onlineportalen zu. 

Pauschalreiseanteil steigt 

Wurde vor rund vier Wochen noch fast ausschließlich Deutschlandurlaub gebucht, verlagert sich das Interesse nun zusätzlich in Richtung Flugreisen ans Mittelmeer. Nachdem die Reisewarnung für Europa für den 15. Juni aufgehoben wurde, werden Ziele am westlichen Mittelmeer wieder stärker nachgefragt. Damit wächst seit vier Wochen der Anteil von Flugpauschalreisen für diesen Sommer wieder stetig. Aber auch die Nachfrage nach einzeln gebuchten Unterkünften bleibt bestehen. Wurden im Mai noch fast ausschließlich Nur-Hotelbuchungen oder einzelne Unterkünfte wie Ferienwohnungen und kaum Pauschalreisen verkauft, steigt seit Anfang Juni der Anteil der Pauschalreisen wieder deutlich an. 

Balearen und Kanaren gefragt

Das spiegelt sich auch bei der Wahl der Reiseziele: Die meisten Neubuchungen für Reisen im Juli und August gingen laut TDA-Auswertungen in der vergangenen Woche für die spanischen Inseln – Balearen und Kanaren (15 bzw. 11 %) – ein, gefolgt von Deutschland (25 %) und Griechenland (21 %). Für den Zeitraum der deutschen Sommerferien nehmen auch Buchungen für Österreich, Italien und Kroatien (jeweils einstelliger Prozentanteil) zu. Erhoben werden hier Buchungsdaten von rund 2.000 Reisebüros, die den stationären Vertriebsmarkt in Deutschland repräsentativ abbilden. Zusätzlich werden im Onlinebereich die Buchungsdaten der klassischen Reiseportale und der Reiseveranstalter erfasst. 

Umsatz: Nur ein Viertel des Vorjahrs

Trotz dieser positiven Tendenz liegt die Gesamtzahl an Buchungen coronabedingt noch sehr deutlich unter denen des Rekordvorjahrs. Auch wenn nun wieder gereist werden kann: Die aktuellen Buchungseingänge stehen nur für etwa ein Viertel des Vorjahrs. Die Bilanz weist bislang einen Umsatzrückgang in der deutschen Reisewirtschaft von rund 20 Mrd. Euro bis Ende August aus. Von Erholung bei Reisebüros und -veranstaltern kann daher noch lange nicht gesprochen werden. 

Eigenanreise per Auto oder Bahn im Angebot

Viele Reisearten sind jetzt wieder im Angebot und können bei Reisebüros und Onlineportalen gebucht werden. So nehmen die Reiseveranstalter in Kooperation mit den Fluggesellschaften in diesen Tagen Schritt für Schritt Pauschalreisen in die beliebten Mittelmeerziele wie Spanien (hier vornehmlich die Balearen und Kanaren), Portugal, Griechenland, Zypern, Kroatien und Italien wieder auf. Vermehrt steuern Airlines vor allem touristische Ziele wieder häufiger an. Zahlreiche Ziele werden auch mit Eigenanreise per Auto oder Bahn angeboten, so etwa für Destinationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch Flusskreuzfahrten innerhalb Deutschlands und Europas sind wieder möglich, ebenso Busreisen und Studienreisen in eine bisher noch begrenzte Anzahl an Ländern. 

Einige beliebte Reiseziele noch nicht buchbar

Da derzeit die Reisewarnung lediglich für Reiseziele innerhalb Europas aufgehoben ist, fehlen noch viele Reisemöglichkeiten für diesen Sommer – so z.B. in beliebte Ferienländer wie die Türkei, Tunesien, Ägypten, Marokko oder auch sämtliche Fernreiseziele. 

Wir erwarten von Außenminister Heiko Maas, dass er die Welt wieder differenziert betrachtet und nicht 160 Staaten über einen Kamm schert. Es gibt touristische Zielgebiete mit nachweislich weniger Infizierten als in Deutschland. Vielerorts werden belastbare Hygiene- und Sicherheitsprotokolle umgesetzt, um die Gesundheit der Urlauber nicht zu gefährden. Wo Coronazahlen niedrig und das Gesundheitssystem leistungsfähig ist, muss die Reisewarnung durch Reisehinweise ersetzt werden. Das ist gut für die jeweiligen Länder und die deutschen Urlauber. Die pauschale Reisewarnung verunsichert die Kunden und ist insbesondere für viele Spezialreiseveranstalter existenzbedrohend. (DRV-Präsident Norbert Fiebig)

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