Studie: „Urlaub zu Hause“ immer wichtiger

Für 32 % der befragten internationalen Verbraucher stehen nach der globalen Pandemie vor allem Inlandsreisen im Fokus.

Abendstimmung am Starnberger See. Viele Deutsche wollen in diesem Jahr ihren Urlaub im Land verbringen. (Foto: DZT/Michael Müller)
Abendstimmung am Starnberger See. Viele Deutsche wollen in diesem Jahr ihren Urlaub im Land verbringen. (Foto: DZT/Michael Müller)
Claus Bünnagel

Die Studie „The Future of Travel“, durchgeführt von der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners, befragte mehr als 3.600 Konsumenten in Europa und den USA. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Präferenzen und Reisearten durch den Ausbruch von Covid-19 drastisch verändern werden. Für insgesamt 32 % der befragten internationalen Verbraucher ist klar, dass nach der globalen Pandemie vor allem Inlandsreisen im Fokus stehen. Rund 50 % planen, mehr Last-Minute-Angebote zu buchen. Diese strukturellen Veränderungen im Verbraucherverhalten stellen die Tourismusindustrie vor erhebliche Herausforderungen, auch wenn die Beschränkungen aufgehoben werden. Während 30 % der internationalen Umfrageteilnehmer angaben, dass sie wieder reisen werden, sobald es ihnen erlaubt ist, wollen 40 % erst dann starten, wenn sichergestellt ist, dass die Anbieter nötige Maßnahmen im Bereich Hygiene und Social Distancing ergriffen haben.

Die Art des Reisens im Wandel

Die Zahlen zeigen auch: Die Pandemie ändert die Art und Weise des Reisens. 54 % der Befragten planen definitiv weniger international zu verreisen. Am stärksten ist davon die Kreuzfahrtindustrie betroffen, denn 65 % der Reisenden geben an, seltener oder gar nicht mit einem Kreuzfahrtschiff verreisen zu wollen. Profitieren wird hingegen der Lokaltourismus: U.a. planen 38 % der Reisenden, häufiger ihr Auto zu nutzen.

Auch auf den deutschen Markt hat dies Auswirkungen. So rechnen 31 % der Deutschen nicht damit, das Land für Reisen zu verlassen. Das birgt Chancen für lokale Anbieter. 

Momentan gehört für viele Konsumenten Unsicherheit zum Alltag – da wird im Urlaub garantierte Unbeschwertheit noch wichtiger. Zudem wollen viele Nachfrager vermehrt die lokale Wirtschaft unterstützen. Die Saison 2020 könnte vielen deutschen Tourismusregionen Zugang zu Kundensegmenten eröffnen, die bisher keinen Urlaub im eigenen Land gemacht haben – das birgt auch Chancen für die kommenden Jahre. Auch Tagesausflugsziele wie Freizeitparks werden davon profitieren, dass in vielen Familien nach Monaten ohne Kinderbetreuung nicht mehr viele Urlaubstage übrig sind. (Lisa Remmelberger, Director und Expertin für den deutschen Tourismusmarkt bei Simon-Kucher & Partners)

Veränderte Prioritäten bei der Reisebuchung 

Für 80 % der Befragten ist die Flexibilität bei der Buchung von größter Relevanz, denn für sie ist es wichtig, eine Geld-zurück-Garantie zu haben, falls sie ihre Reise stornieren müssen. Auch Hygienemaßnahmen haben für 82 % eine höhere Priorität bei der Auswahl des nächsten Reiseanbieters. Faktoren wie Kundenbindungsprogramme, besondere Angebote und Anreize oder auch der Kundenservice haben dagegen eine wesentlich geringere Bedeutung als noch vor der Pandemie.

Das zeigt, dass die Prioritäten eindeutig im Bereich Gesundheit und Sicherheit liegen. 77 % der deutschen Verbraucher wollen sicher sein, dass geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um das Infektionsrisiko während der Reise zu minimieren. Gleichzeitig muss eine Buchungsflexibilität gewährleistet sein, um zu garantieren, dass ihr Geld sicher ist. Reiseveranstalter sollten ihr Hauptaugenmerk darauf legen, ihre Produkte nach den Wüschen des Kunden neu zu definieren: Der Verbraucher will flexible Angebote mit allen nötigen hygienischen Sicherheitsmaßnahmen. (Dimitris Hiotis, Partner und Leiter der Practice für Leisure, Travel and Tourism bei Simon-Kucher & Partners)

Öffentlicher Nahverkehr verliert an Bedeutung

Auch der öffentliche Nahverkehr wird die Auswirkungen der Krise spüren, denn 55 % der Befragten wollen seltener öffentliche Verkehrsmittel nutzen als zuvor. Der Trend geht hier zum privaten Transportmittel: 40 % planen im Alltag auf Fahrrad oder Auto umzusteigen.

Auf den ersten Blick sind das erschreckende Zahlen. Aber es gilt abzuwarten, wie stark die Auswirkungen wirklich sind. Großstädte wie Berlin, London oder New York werden auf der Grundlage des öffentlichen Nahverkehrs gebaut und entworfen. Die Infrastruktur hat sich für alle bewährt. Natürlich wird man die Auswirkungen spüren, allein durch die steigende Anzahl an Menschen, die im Home-Office arbeiten. Gleichzeitig kann dies aber auch ein Schub für Verleihdienste von Fahrrad-, E-Scootern und Motorrollern sein, da die Menschen so überfüllte Busse und Züge vermeiden können. (Remmelberger)

Über die Studie

Die Online-Umfrage „The Future of Travel“ wurde zwischen dem 20. Mai und 3. Juni 2020 von Simon-Kucher & Partners durchgeführt. Es wurden 3.650 Verbraucher in den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden befragt. Die Studie beschäftigt sich mit den Veränderungen der Verbrauchertrends in der Freizeit-, Tourismus- und Reisebranche aufgrund der Coronaviruspandemie.

Printer Friendly, PDF & Email