Forschung: IDTechEx prognostiziert neue E-Buskonzepte

Laut den Experten werden 2027 rund 2,3 Millionen elektrische Busse gefertigt.
Staus in Innenstädten nehmen weltweit, wie hier in Kairo, zu und erfordern laut IDTechEx neue Konzepte für eine bedarfsgerechte Mobilität. (Foto: Dieter Schütz / Pixelio.de)
Staus in Innenstädten nehmen weltweit, wie hier in Kairo, zu und erfordern laut IDTechEx neue Konzepte für eine bedarfsgerechte Mobilität. (Foto: Dieter Schütz / Pixelio.de)
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Anja Kiewitt

Busse spielen eine große Rolle, um künftig Verkehrsunfälle mit Verletzten oder Toten in Städten zu vermeiden. Gründe dafür sind laut Dr. Peter Harrop, Vorsitzender des britischen Marktforschungsunternehmens IDTechEx Ltd., Cambridge, die steigende Überlastung der Verkehrsinfrastruktur sowie die zunehmende Parkplatznot in Ballungsräumen, die auch zu Einfahrverboten in Innenstädte führen werde. Ein großer Bus benötige nur ein Siebtel der Energie und ein Zehntel des Raumbedarfes eines Autos pro Passagierkilometer.

Bedarfsgerechte Mobilität in den Städten

In Kürze werden dem Forscher zufolge 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, 2050 bis zu 80 Prozent. Da künftig nicht nur die Generation der "Millennials" (zu deutsch etwa die Jahrtausender), sondern zunehmend auch andere Teile der Bevölkerung, eine Mobilität nach Bedarf bevorzugen werden, werde der Pkw-Absatz 2030 stagnieren, laut Barclays Research sogar schon früher. Neben Autovermietungen und autonomen Taxis gewinnen vor allem öffentliche Verkehrsmittel den Experten zufolge an Bedeutung, allerdings prognostizieren die Wissenschaftler ganz neue Formen von Bussen, U-Bahnen und Zügen.

Fahrerlose Busse werden beliebt

IDTechEx Research geht davon aus, dass 2027 rund 2,3 Millionen elektrische Busse produziert werden, etwa fünfmal soviel wie 2016. Bereits im vergangenen Jahr bildeten demnach Busse den größten Absatzmarkt für große Lithium-Ionen-Batterien, nicht Autos. Der fahrerlose autonome Bus werde in Zukunft beliebt sein, unterstützt durch Taxis, die Linienverkehre zu Spitzenzeiten auf Abruf ergänzen.

E-Antriebe schlagen die Brennstoffzelle

Technologisch gesehen geht IDTechEx davon aus, dass kleine Batterien mit intermittierender Kettenladung genügen werden. Grundsätzlich werden sich den Fachleuten zufolge rein elektrische Antriebe durchsetzen, nicht die weniger effizienten, weniger zuverlässigen Brennstoffzellen. Auch wenn diese mit grünem Wasserstoff fahren, dürften sie nur einige Nischen erobern, glauben die Wissenschaftler.

Großraumkonzepte gefragt

Große Marktchancen prognostizieren sie für Doppeldecker und "Straddling buses", wie das futuristische chinesische Bus-Konzept "Transit Elevated Bus" (TEB) (busplaner berichtete), die dank raumsparender Antriebskonzepte, beispielsweise in die Achsen integrierte Radnabenantriebe (busplaner berichtete), sowie dank spezieller Komposit-Aufbauten, die auch Energie erzeugen und speichern können, künftig noch mehr Platz für die zunehmende Anzahl an Passagieren bieten sollen.

E-Busse, die sich selbst aufladen

Dank Leichtbauweise, aktiver Federung und neuartiger Photovoltaik-Technik werden reine E-Busse künftig zu "Energy Independent Vehicles" (EIV), also energiequellenunabhängig, indem sie sich selbst mit Strom versorgen, schätzen die Forscher. Ein Beispiel dafür sei der erste Modell-Solar-Elektrobus Afrikas in Uganda (busplaner berichtete).

Umwälzung in der Industrie

Verlierer der Entwicklung werden den Forschern zufolge die Hersteller schwerer Leiter-Chassis sowie von hybriden und konventionellen Bussen sein, ebenso wie die Stahl- und Ölindustrie. Auch Ladestationen, Blei-Säure-Batterien, gebürstete Motoren, Silizium-Leistungskomponenten, Verbrennungsmotoren, Hybrid- und konventionelle Antriebsaggregate sowie entsprechende Wartungs- und Teiledienstleister werden nicht mehr gebraucht, so die Experten. Auch Busfahrer werden demnach in Zukunft weniger oft benötigt als heute.

Gewinner China

China werde künftig in der Lage sein, die Welt mit Low-Cost-Bussen zu überschwemmen, so wie es das Land mit elektronischen Armbanduhren und anderen Dingen getan hat. Überall auf der Welt errichten die Chinesen laut IDTechEx dazu bereits Endmontagestationen für die lokale Herstellung reiner Elektrobusse.