EvoBus-Werk feiert Jubiläum

Start der Setra Serienproduktion im Werk Neu-Ulm am 5. Oktober 1992
Askin Bulut

Am 5. Oktober jährt sich der Start zur Omnibus-Serienfertigung im Neu-Ulmer Busmontagewerk der Daimler AG zum 20sten Mal. Nach den ersten konkreten Planungsschritten für ein neues Buswerk im Jahr 1983 durch die ehemalige Karl Kässbohrer Fahrzeugwerke folgten im August 1990 der erste Spatenstich und Baubeginn. Insgesamt steckte das Ulmer Traditionsunternehmen rund 175 Millionen D-Mark in diese strategische Zukunftsinvestition. Die ersten 100.000 Quadratmeter Baugrundstück – etwa ein Drittel der heutigen Gesamtwerksfläche – erwarb die Firma Kässbohrer im Jahr 1973.

Karl Kässbohrer, der Enkel des Firmengründers und damals als geschäftsführender Gesellschafter in der Geschäftsführung verantwortlich für Werks- und Investitionsplanung, sagt heute rückblickend: „Es waren zwei wesentliche Faktoren, die unsere Überlegungen beeinflusst haben. Einerseits waren es die unbefriedigenden Raumverhältnisse in dem alten Werk in der Ulmer Weststadt und andererseits mussten wir auch den finanziellen Kraftakt sehen, den dieses Gesamtprojekt für unser Unternehmen dargestellt hat. Es kamen deshalb nur schrittweise Lösungen in Frage, vom Kauf des ersten Teilgeländes bis zum realistischen Planungsbeginn.“ Das Gesamtareal des Omnibusmontagewerkes in Neu-Ulm beträgt heute 640.000 Quadratmeter und die überbaute Fläche 216.000 Quadratmeter.

Im Jahr 1995 schlossen die beiden Omnibus-Marken Mercedes-Benz und Setra ein strategisches Bündnis und gründeten die EvoBus GmbH. Durch die Verschmelzung von Mercedes-Benz Omnibussen mit der Kässbohrer Marke Setra wurde auch das Werk Neu-Ulm Teil von EvoBus. Heute montieren die rund 3.800 Beschäftigten Mercedes-Benz und Setra Omnibusse auf einem Band. Gleichzeitig ist Neu-Ulm das „Kompetenzcenter Lackierung“, in dem alle Lackieraufgaben für EvoBus-Produkte erledigt werden.

Insgesamt belaufen sich die Gesamtinvestitionen der Daimler AG in das Neu-Ulmer Werk seit dem Jahr 1995 auf 190 Mio. Euro. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die moderne Omnibus-Produktionsstätte, Produktionsabläufe und -aufgaben, aber auch das Unternehmen selbst stark verändert. Die Fertigung der Ulmer Traditionsmarke Setra ist für dieses Werk immer noch ein Schwerpunkt. So beginnt in diesem Jahr am Standort die Produktion der neuen Reisebusgeneration Setra ComfortClass 500. Der Fokus liegt heute ebenfalls auf der Schwestermarke Mercedes-Benz, so dass auch Omnibusse mit dem Stern in Neu-Ulm produziert werden. Zusammen ist das Werk mit dem Omnibusstandort in Mannheim das Rückgrat des europäischen Produktionsverbundes von EvoBus mit sechs Werken in Deutschland, Frankreich, Tschechien, Spanien und der Türkei.

Die hohe Anpassungsfähigkeit in der Neu-Ulmer Produktion ist auch der baulichen Auslegung geschuldet: Nichts ist fest im Boden verbaut, sondern alle Versorgungsleitungen wie beispielsweise Licht, Lüftung, Wasser und Heizung werden über die Deckenleitungen zugeführt, so dass für die Montageabläufe und den Materialfluss die höchstmögliche Flexibilität gegeben ist. Wolfgang Hänle, Geschäftsführer Produktion Daimler Buses, betont deshalb: „Für Kässbohrer war damals diese Investition in Neu-Ulm eine Frage der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und ein Schritt in die – wie wir heute wissen – nicht leichte Zukunft. Es war gelichzeitig der richtige Schritt und hat die Zukunft des Standortes Ulm gesichert. Heute ist unser modernes Buswerk in Neu-Ulm einer der Garanten für den Erfolg von EvoBus und damit auch von Daimler Buses.“

Seit dem Jahr 1992 bis heute wurden in Neu-Ulm über 52.000 Komplettbusse beider Marken gebaut und über 3 Millionen Sitzeinheiten gefertigt. Mit nahezu 400.000 gefertigten Sitzen pro Jahr aus den Werken Mannheim, Neu-Ulm und Hosdere in der Türkei ist Daimler Buses der größte Omnibus-Sitzhersteller in Europa. Davon entstehen jährlich über 150.000 Überland- und Reisebussitze für die Marken Mercedes-Benz und Setra im zweiten Obergeschoss des Neu-Ulmer Montagewerkes. Sie werden damit in unmittelbarer Nähe zur Omnibus-Fertigung komplettiert und „just-in-Sequence“ direkt an die Produktionsstraßen geliefert. Die Tageshöchstleistung der Sitzfertigung mit 125 Mitarbeitern liegt bei 1.500 Einheiten. Dabei werden im Modellmix alle Stuhltypen hergestellt. Vom einfachen Serien-Überlandstuhl „Transit“ bis zum höchstkomfortablen Reisesitz „Ambassador“ mit Beinauflage.

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