Meinungsbeitrag

On-Demand: ÖPNV-Taxis wären die günstigere Alernative

Beim Deutschen Taxi und Mietwagen Tag plädierten ein Wissenschaftler und ein Planer vehement für ÖPNV-Taxis, die vorhandene Flotten nutzen, weil sie halb so teuer wie neue On-Demand-Shuttles sind und obendrein viel schneller eingeführt werden können.

Samir El-Zahab erläuterte das ÖPNV-Taxi-Projekt im Landkreis Freudenstadt, an dem sich schon mehrere andere Kommunen ein Beispiel nehmen. (Foto: Dietmar Fund)
Samir El-Zahab erläuterte das ÖPNV-Taxi-Projekt im Landkreis Freudenstadt, an dem sich schon mehrere andere Kommunen ein Beispiel nehmen. (Foto: Dietmar Fund)
Martina Weyh
(erschienen bei taxi heute von Dietmar Fund)

Für die flächendeckende Bedienung ohne Fahrpläne gab und gibt es derzeit noch viele Fördermittel vom Bund und den Ländern. Damit werden oft Parallelstrukturen aufgebaut, die auf große Unternehmen zugeschnitten sind, sehr lange für die Implementierung brauchen und sehr teuer sind. Es wäre viel nachhaltiger, Kapazitäten zu nutzen, die das Taxi- und Mietwagengewerbe schon vorhält, um den Linienverkehr und On-Demand-Verkehre auf schlankere Weise zusammenzubringen. Das erklärte Samir El-Zahab von der Nahverkehrsberatung Südwest beim Workshop „On Demand: Chance und Herausforderung für Mobilitätsunternehmer“ am 26. Oktober 2023. Er war Bestandteil des Deutschen Taxi und Mietwagen Tags, den der Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. (BVTM) in Ludwigshafen veranstaltete.

Der Nahverkehrsplaner erläuterte das Projekt „ÖPNV-Taxi“, das er im Landkreis Freudenstadt zusammen mit Dr. Hubertus Baumeister konzipiert und umgesetzt hat. Der Jurist Baumeister ist seit langem auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) spezialisiert und hat seit rund drei Jahren verstärkt mit dem Taxigewerbe zu tun. Wie er erläuterte, ist der Begriff „ÖPNV-Taxi“ auf Anregung eines bayerischen Ministerialbeamten entstanden. Gemeint ist damit, die rund 100.000 Fahrzeuge des Gelegenheitsverkehrs zu nutzen, um mit ihnen On-Demand-Verkehre zu Zeiten anzubieten, in denen kein Bus und keine Bahn verkehrt.

Wie Samir El-Zahab in Bezug auf das Freudenstädter Projekt erläuterte, bekommen die Fahrerinnen und Fahrer ein Smartphone mit einer Fahrer-App, mit der die sich freimelden können und dann Fahrten zugewiesen bekommen. Die würden dann zum Taxi-Tarif abzüglich eines Abschlags vergütet, der vergaberechtlich nötig sei. Er richte sich nach dem Grundpreis, betrage maximal zehn Prozent und sei umso niedriger, je häufiger ein Fahrzeug sich als verfügbar melde. Ansonsten würden die Fahrzeuge weiterhin eigenwirtschaftlich ÖPNV-Leistungen erbringen.

„Dazu ist kein Vertragsverhältnis zwischen dem Auftraggeber und dem Taxiunternehmer nötig, weil das im Rahmen einer allgemeinen Vorschrift abgewickelt wird“, erklärte der Nahverkehrsplaner. „Außerdem sparen sich die öffentliche Hand und kleine Taxiunternehmen langwierige und aufwändige Vergabeverfahren nach EU-Recht. Deshalb beträgt die Vorlaufzeit bis zur Einführung eines ÖPNV-Taxis nur acht bis zwölf Monate.“

Da es in den meisten Regionen mehrere Taxiunternehmen gebe, seien die Grenzen der Flächendeckung nicht so schnell erreicht wie bei Shuttle-Verkehren mit einer sehr begrenzten Anzahl neuer Fahrzeuge.

„Mit der Nutzung vorhandener Taxis und Mietwagen kostet ein On-Demand-Verkehr nur die Hälfte eines extra eingeführten Shuttle-Verkehrs und bietet bei der Buchung eine ganz andere Verfügbarkeit“, erklärte Dr. Hubertus Baumeister dazu. „Deshalb würden wir die fast 100.000 Fahrzeuge des Gelegenheitsverkehrs bei der Verkehrswende nicht beiseitelassen. Sie einzubeziehen, würde den Linienverkehr attraktiver machen.“

Baumeister stellte ebenso so El-Zahab klar, dass das ÖPNV kein „Taxi für Jedermann“ und kein „Allheilmittel für alle Regionen“ sein könne und auf jeden Fall mit Bus und Schiene kombiniert werden müsse. Die „ÖPNV-Seite“ erkenne das langsam.

Baumeister berichtete, dass er momentan an acht Projekten für ÖPNV-Taxis arbeite und auch zwei Städte Interesse an einem solchen Konzept bekundet hätten, unter anderem eine Großstadt. Damit sei das Monopol von ViaVan und der Bahn-Tochter ioki gebrochen worden. Allerdings hake es bei einem Projekt bei der Verknüpfung der Fahrer-App mit einer bereits vorhandenen Software und ein weiteres sei an der mangelnden Unterstützung seitens der Taxiunternehmen gescheitert.

Als Erfolgsfaktor des Projekts im Landkreis Freudenstadt, über das taxi heute schon frühzeitig berichtet hat, sehen die beiden Partner an, dass dort die Bürgermeister der Städte Horb und Freudenstadt die Taxi- und Mietwagenunternehmer angesprochen hätten. Denen sei damit klargeworden, dass sie nicht länger nur als „Resterampe“ angesehen würden. „Die Politiker sehen mittlerweile auch, dass das Taxi-Gewerbe unter die Räder zu kommen droht“, erklärte Baumeister. „Das Taxi hat in einem liberalisierten der öffentlichen Personenbeförderung mit Taxis und Mietwagen eine Zukunft und muss sie auch haben. Taxis und Mietwagen haben eine hohe Bedeutung für die Mobilitätswende“, schloss der Jurist und Berater.