Mit einem um etwa ein Drittel erweiterten Leistungsangebot des Stadtbusbetriebs trägt Offenbach dem schnellen Zuwachs an Einwohnern und Arbeitsplätzen sowie den im Masterplan ausgewiesenen Flächenentwicklungen Rechnung. (Foto: Alex Habermehl)
Anja Kiewitt

Offenbachs ÖPNV-Nutzer können sich freuen: Nach Leistungseinschränkungen beim vergangenen Nahverkehrsplan von 2013 wie dem reduzierten Bedienungsangebot in den Tagesrandzeiten will die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH den öffentlichen Busverkehr von 2018 bis 2022 in zwei Phasen erheblich ausbauen. „Wir fahren einen Busverkehr für 120.000 Einwohner“, erläutert Anja Georgi. Die Geschäftsführerin verantwortet bei der Stadtwerke-Gruppe den gesamten Bereich der Mobilität. Inzwischen leben aber bereits über 134.000 Menschen in der Stadt. Bis 2030 sind laut Masterplan-Prognose 141.000 Einwohner zu erwarten. Hinzu kommen rund 7.000 neue berufliche Einpendler. Gleichzeitig erhöhen mehr Freizeitverkehr, flexiblere Arbeitszeiten und längere Ladenschlusszeiten die Nachfrage in den Abend- und Nachtstunden.

Länger, häufiger, weiter

Künftig sollen die Linienbusse daher in kürzeren Abständen und bis spät in die Nacht fahren, mehr Haltestellen bedienen und neue Wohngebiete und Arbeitsorte erschließen. Mit einem um etwa ein Drittel erweiterten Leistungsangebot des Stadtbusbetriebs trägt Offenbach dem schnellen Zuwachs an Einwohnern und Arbeitsplätzen sowie den im Masterplan ausgewiesenen Flächenentwicklungen Rechnung. Aufgabenträger für den öffentlichen Nahverkehr in Offenbach ist der Mobilitätsdienstleister NiO – Nahverkehr in Offenbach GmbH, der auch den neuen Nahverkehrsplan erarbeitet hat. Den Stadtbusbetrieb leistet die OVB – Offenbacher Verkehrsbetriebe GmbH. Beide Unternehmen gehören zum Geschäftsfeld Mobilität der Stadtwerke-Gruppe.

Aus dem Nahverkehrs- wird ein Mobilitätsplan

Interessantes Detail: Der Nahverkehrsplan wurde als „Mobilitätsplan“ weitergeschrieben. Denn aus Sicht des Stadtrats befinde sich der Mobilitätsmarkt derzeit im Umbruch. Die intelligente Vernetzung von Bus und Bahn mit ergänzenden Verkehrsmitteln wie Leih- und Elektrofahrzeugen mit komfortabler Anschlussmobilität und individuellen Verkehrsverbindungen von Tür zu Tür gewinne an Bedeutung. Das neue Mobilitätskonzept in Offenbach berücksichtige deshalb beispielsweise auch elektromobile Car- und Bike-Sharing. Für die Umsetzung des neuen Nahverkehrsplans müssen auch weitere fünf Fahrzeuge, wahrscheinlich bereits Elektrobusse, eingesetzt werden. Georgi: „Wir benötigen nicht nur 17 weitere Busse, sondern auch rund 50 zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer, die gegenwärtig schwer zu finden sind.“

Die Pläne in Zahlen

Die Fahrzeugflotte der OVB (einschließlich der neun Fahrzeuge des Subunternehmens) wächst von 70 auf 87 Busse (davon rund ein Drittel Busse), die Zahl der OVB-Beschäftigten von rund 220 auf rund 270. Die Zahl der jährlich von den Stadtbussen gefahrenen Kilometer steigt durch die Erweiterung des Leistungsangebotes von 3,28 auf 4,47 Millionen. Trotz der erheblich steigenden Kilometerleistung können die jährlichen Emissionen der Stadtbusflotte aufgrund der Umrüstung auf Elektroantrieb (geplant: 22 Busse bis 2023) reduziert werden. Die Kohlendioxid-Emissionen sollen sich gegenüber 2016 um etwa 5,9 Prozent, die Emissionen von Stickstoffoxiden um etwa 5,6 Prozent verringern. Selbst bei gleichbleibendem Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr von rund 18 Prozent (Modal-Split) gehen die Planer aufgrund des Einwohnerwachstums, der neu entstehenden Arbeitsplätze und der zusätzlichen Einpendler von einer Steigerung der jährlichen Fahrgastzahlen von zuletzt rund elf Millionen Fahrgästen um 2,2 Millionen aus. Das entspricht einer Steigerung von täglich (montags bis freitags) rund 9.000 Fahrgästen. Durch das verbesserte Angebot wird eine Steigerung des ÖPNV-Anteils am Modal-Split von ein bis zwei Prozent im nächsten Jahrzehnt für möglich gehalten.

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