Montpellier: E- statt Wasserstoffbusse

Grund sind deutlich niedrigere Betriebskosten.

Montpellier verzichtet vorerst auf die Anschaffung von Brennstoffzellenbussen. (Grafik: Pixabay)
Montpellier verzichtet vorerst auf die Anschaffung von Brennstoffzellenbussen. (Grafik: Pixabay)
Claus Bünnagel

Wie die Onlineplattform Electrive mit Verweis auf Medienberichte vermeldet, hat sich die Verwaltung der französischen Metropolregion Montpellier entgegen früheren Planungen gegen den Kauf von Wasserstoffbussen für vier Linien entschieden. Stattdessen sollen E-Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Grund sind deutlich niedrigere Betriebskosten.

Umfangreiche H2-Infrastruktur anvisiert

Ab 2023 sollten zunächst 21 Einheiten starten, weitere 30 ab 2025. Um die Busse mit Wasserstoff zu versorgen, wurde außerdem eine Projektgesellschaft gegründet, die eine Elektrolyse-Wasserstoffproduktionsanlage für 800 kg pro Tag, eine 2,8 MWp-Photovoltaikanlage, ein Wasserstofflager und Verteilerstationen bauen und betreiben sollte. Die Kosten des Projekts wurden auf 29 Mio. Euro geschätzt. Zur Finanzierung hatte sich die Region an zahlreichen Ausschreibungen beteiligt und so insgesamt 18 Millionen Euro an Subventionen zusammenbekommen.

Kehrtwende

Die Kehrtwende gab den Informationen zufolge der Präsident der Metropolregion Montpellier, Michaël Delafosse, ein paar Tage nach Beginn des neuen Jahrs bei der Vorstellung des zukünftigen Bustramnetzes bekannt. „Die Wasserstofftechnologie ist vielversprechend“, wird Delafosse bei der Veranstaltung am 4. Januar zitiert. Doch werde man zwar bei den Investitionen unterstützt, nicht jedoch bei den Betriebskosten.

Und die machen offenbar den ausschlaggebenden Unterschied: Der Betrieb der Wasserstoffbusse sei sechsmal teurer als bei Elektropendants, so Delafosse. 

Also verzichten wir vorerst auf Brennstoffzellenbusse. 2030 werden wir sehen, ob Wasserstoff billiger ist. (Delafosse)

3 Mio. Euro Betriebskosten

Konkret belaufen sich die Kosten für den Betrieb der wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge laut den Berichten auf 3 Mio. Euro pro Jahr. Die Kosten für den Betrieb der Elektrobusse werden mit 500.000 Euro angegeben. Runtergerechnet bedeutet das: 0,15 Euro pro Kilometer bei den E-Fahrzeugen gegenüber 0,95 Euro bei Wasserstoffbussen.

Die Region nennt auch den Preisunterschied zwischen den Fahrzeugtypen als Grund für ihre Entscheidung. So soll der Preisunterschied zwischen einem Elektrobus und einem Wasserstoffbus im Bereich von 150.000 bis 200.000 Euro liegen. Außerdem wäre man nicht in der Lage gewesen, ausreichend grünen Wasserstoff zu produzieren, was zur Folge gehabt hätte, dass die Region Wasserstoff hätte zukaufen müssen.

An der Wasserstoffproduktionsstation will die Region dennoch festhalten. Die Subventionen sollen entsprechend anders eingesetzt werden. Julie Frêche, Vizepräsidentin der Metropolregion Montpellier und zuständig für Verkehr und aktive Mobilität, sagte: „Die Kommunen, die sich für Wasserstoff entschieden haben, haben ein wenig zu kämpfen. Wir wollen, dass es funktioniert.“

Korrektur: In einer früheren Fassung dieser Meldung hatte gestanden, dass es sich bei den 51 anzuschaffenden Brennstoffzellenbussen um Fahrzeuge des Typs Van Hool ExquiCity18 handeln würde. Das entspricht nicht den Tatsachen und ist in der aktuellen Fassung korrigiert worden.

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