Hyundai legt Brennstoffzellenprojekt auf Eis

Der Genesis wird als Wasserstoffauto daher vorerst nicht auf den Markt kommen.

Das SUV Genesis wird erst einmal von Hyundai nicht weiterentwickelt. (Foto: Hyundai)
Das SUV Genesis wird erst einmal von Hyundai nicht weiterentwickelt. (Foto: Hyundai)
Claus Bünnagel

Wie die südkoreanischen Zeitung Chosun Ilbo und das Onlineportal Electrek vermelden, hat Hyundai die Entwicklung seines Brennstoffzellenfahrzeugs Genesis auf unbestimmte Zeit eingestellt. Diese Nachricht kommt kurz nach der Ankündigung von Hyundai, die Entwicklung von Verbrennungsmotoren mit der aktuellen Generation zu beenden. Bestätigt sich die Nachricht, dann bleibt im Pkw-Bereich alleine noch Toyota, um das Wasserstofffähnchen hochzuhalten. Aber auch die Japaner haben kürzlich eine großangelegte Elektrooffensive angekündigt, was gleichzeitig als mindestens teilweise Abkehr von der bisherigen Wasserstoffstrategie angesehen werden kann.

E-Autos als Brückentechnologie?

Hyundai hat in der Vergangenheit erklärt, dass der Konzern batteriebetriebene Elektrofahrzeuge als Überbrückung betrachte, „bis sich Brennstoffzellenfahrzeuge durchsetzen“ – das war 2016. Erst im September dieses Jahres stellte Hyundai eine Wasserstoffstrategie vor, die bis zum Jahr 2040 eine signifikante Marktdurchdringung sowohl im Nutzfahrzeug- als auch im Pkw-Bereich anstrebt. Auf dem Weg zu diesem Ziel plante Hyundai, im Jahr 2023 eine neue Brennstoffzelle der dritten Generation anzubieten – der aktuelle Hyundai Nexo FCEV ist das Produkt der zweiten Generation. Bis 2028 sollte es Brennstoffzellensysteme für alle Nutzfahrzeugenmodelle der Südkoreaner zu wettbewerbsfähigen Preisen geben, bis 2030 auch entsprechende BEV-Angebote. Genesis kündigte zudem an, ab 2025 keine neuen Modelle mit Verbrennungsmotor mehr auf den Markt bringen zu wollen.

Ziele verfehlt

Seitdem hat eine interne Prüfung jedoch gezeigt, dass Hyundai praktisch alle Ziele, die es sich für Brennstoffzellenfahrzeuge gesetzt hatte, verfehlt hat. Produktion und Absatz sind niedriger als erwartet, die Kosten sinken langsamer als erhofft, die Infrastruktur wird langsamer als anvisiert aufgebaut und die Preise für Wasserstoffkraftstoff sind höher als projektziert.

Hyundai hatte für das Wasserstoffauto Genesis eine Entwicklungszeit von etwa einem Jahr veranschlagt. Diese Probleme mit der Brennstoffzelle der dritten Generation haben jedoch zu einer Pause des Projekts auf unbestimmte Zeit geführt. Es scheint aber wahrscheinlich, dass die Projekte für gewerbliche Fahrzeugmodelle weitergeführt werden, während die Projekte für den Personenverkehr den Weg des Wasserstoff-Genesis gehen könnten.

BEV überlegen?

Es scheint sich zu bewahrweiten, was auch busplaner seit Jahren in zahlreichen (Meinungs-)Beiträgen vertritt: Wasserstoff wird offensichtlich in naher und mittelfristiger Zeit keinen Platz in Pkw finden. Batterieautos sind nicht nur derzeit überlegen, sondern sie entwickeln sich auch besser als Wasserstoffautos. Im Beriech der Wasserstoffautos sind erheblich mehr technische und infrastrukturelle Schwierigkeiten als bei BEV zu löseen, und Brennstoffzellen bieten selbst in den besten theoretischen Szenarien nur wenige Vorteile gegenüber diesen.

Es ist möglich, dass Brennstoffzellen mittelfristig im Schwerlastverkehr eingesetzt werden können, je nachdem, wie sich die Entwicklung der Energiedichte von Batterien entwickelt. Für Anwendungen in schweren Nutzfahrzeugen wie Langstrecken-Lkw, Reisebussen, Flugzeugen, Schiffen usw. besitzt Wasserstoff den Vorteil einer hohen Energiedichte, kann sauber produziert werden – auch wenn das im Moment nicht der Fall ist – und bietet viele Vorteile gegenüber der Verbrennung fossiler Brennstoffe.

Das gilt aber nicht für den Pkw-Sektor: Daher scheint Hyundais Entscheidung, die Entwicklung von Wasserstoff-Pkw zu pausieren, richtig zu sein. Eine endgültige Einstellung des Genesis-Projekts ist daher mittlerweile wahrscheinlicher als ein Fortbestehen.

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