bdo: Corona, Ukrainekrieg und Dieselpreis wirken sich fatal aus

Die Busbranche leidet weiter massiv – das spiegelt sich in den Ergebnissen der Konjunktur- und der Blitz-Umfrage des Spitzenverbandes.

Die Busbranche ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen weiter in schweren Fahrwassern unterwegs. (Foto: pixabay)
Die Busbranche ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen weiter in schweren Fahrwassern unterwegs. (Foto: pixabay)
Martina Weyh

Die diesjährige Konjunktur-Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), die vom 30. November 2021 bis 16. Januar 2022 bundesweit anonymisiert durchgeführt wurde, umfasst die coronabedingten Auswirkungen auf die Busbranche und insbesondere das desaströse Weihnachts- und Wintergeschäft der Bustouristik. Nach dem katastrophalen Jahr 2020 schien die Bustouristik den rückläufigen Trend bei den Buchungszahlen bereits überwunden zu haben. Mit Beginn des Krieges in der Ukraine verschärften sich dann die Bedingungen für die mittelständische Omnibusbranche durch Dieselpreisexplosion und rückläufige Buchungszahlen extrem.

Ausgewertet wurden die Daten von insgesamt 722 Busunternehmen.

Blitz-Umfrage zur aktuellen Situation

Da die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs wie etwa der Preissprung beim Diesel im Zeitraum der Konjunktur-Umfrage noch düstere unbekannte Zukunft waren, hat der bdo zusätzlich kurzfristig eine Blitz-Umfrage durchgeführt.

Als Folge des Ukraine-Kriegs stiegen die Energiepreise auf ein Rekordniveau. Die Busunternehmen wurden zeitweise durch Kostensteigerungen von über 100 % belastet, so der Verband. Die dramatische Entwicklung beim Diesel wird insbesondere von den ÖPNV-Busunternehmen als wirtschaftlich bedrohlicher bewertet, als die Auswirkungen der zweijährigen Corona-Pandemie.

Im ÖPNV sind über die Hälfte der Unternehmen durch den Dieselpreis in Ihrer Existenz gefährdet. Im Gelegenheitsverkehr und bei den Mischbetrieben fahren zudem bereits mehr als die Hälfte der Unternehmen ohne Gewinn-Marge, also unrentabel. Knapp 30 % der Busmittelständler in diesen Bereichen bewertet die hohen Dieselpreise als existenziell bedrohlich.

Insbesondere die ÖPNV-Unternehmen leiden unter den hohen Energiepreisen. 78 % der befragten ÖPNV-Unternehmen gehen im Vergleich zu dem sowieso schon desaströsen Corona-Jahr 2021 von einer noch ungünstigeren Geschäftslage im laufenden 2022 aus. Hauptgrund ist die russische Invasion der Ukraine: Anfang des Jahres gingen noch über 70 % von einem besseren oder zumindest gleichbleibenden Geschäft aus. Coronabedingt bleiben die Fahrgastzahlen weiterhin deutlich unter den Zahlen von 2019. Höhere Betriebskosten bei weniger Fahrgästen: Damit ist die Busbranche in Deutschland ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt und die Verkehrswende akut bedroht.

Fahrermangel ist ein weiterer belastender Faktor

Dazu hat sich der Mangel an Fahrpersonal in den letzten 12 Monaten bei allen Busverkehren eklatant verschärft. Die dramatische Verschlechterung war am deutlichsten im Fernlinienverkehr (100 %), im Linienverkehr/ÖPNV (76 %) und bei Unternehmen ohne eindeutigen Schwerpunkt 74 %, dicht gefolgt von Tourismus/Gelegenheitsverkehr (70 %).

Die Busbranche hat in den Segmenten ÖPNV, Gelegenheitsverkehr und Mischbetriebe immer noch mit den anhaltenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und dem Fahrermangel zu kämpfen. Jetzt sollen die Busunternehmen bei den extrem gestiegenen Energiepreisen die Verkehre aufrechterhalten, ohne einen ausreichenden Ausgleich zu erhalten.

„Die bisher von der Ampel-Regierung beschlossene Entlastung der Energiesteuer in Höhe von 14 Cent/Liter ist ein Tropfen auf dem heißen Stein“, erklärte bdo-Hauptgeschäftsführerin Christiane Leonard.

Der bdo fürchte um die Zukunft des Busmittelstandes, wenn nicht sogar der Mobilität in Deutschland insgesamt und bitte die Bundesregierung von den Möglichkeiten der „EU Temporary Crisis Frameworks“ Gebrauch zu machen, der Zuschüsse von bis zu 400 Euro pro Unternehmen vorsehe.