Angebot an Städte-Fernbuslinien verdoppelt

Positives Fazit nach einem Jahr Liberalisierung des Fernbusmarktes
Thomas Burgert
Eine Verdreifachung des Reiseangebots und doppelt so viele Städte-Fernbuslinien – das ist die Bilanz des seit Januar liberalisierten Fernbusmarktes. So können Fahrgäste aktuell aus 5.100 inner-deutschen Fahrten pro Woche wählen. Eine Zunahme um 230 Prozent im Vergleich zum Januar mit noch 1.540 wöchentlichen Fahrten. Dabei nahm nicht nur die Anzahl der Linien zu, sie werden auch häufiger bedient. Diese Zahlen stammen aus der Marktstudie „IGES Kompass Mobilität – Fokus Fernbus“ hervor, die das IGES-Institut und der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) vorgestellt haben. „Die Liberalisierung des Fernbusmarktes war richtig und zeigt, wie auch ohne öffentliche Mittel bestehende Mobilitätsbedürfnisse der Bundesbürger bedient werden können“, sagte Christoph Gipp, Autor der unabhängigen Studie und Bereichsleiter Mobilität am Forschungs- und Beratungsinstitut IGES. Das Potenzial der Liberalisierung zeige sich am deutlichsten an der Zahl der klassischen Städte-Fernbuslinien, die seit Jahresbeginn von 62 auf 138 zugenommen haben, ein Plus von 123 Prozent, so Gipp weiter. Von Fernbusangeboten profitieren vor allem mittelgroße Städte etwa in Baden-Württemberg oder Bayern, aber auch strukturschwache Regionen, beispielsweise im ländlichen Niedersachsen, in den vorher Reisemöglichkeiten fehlten. „Wir sehen deutlich, wie Anbieter gezielt Strecken anbieten, wo es vorher nichts gab und eine Mindestmenge an Fahrgästen zu erwarten ist“, erläuterte Gipp. Derzeit agieren knapp 40 Betreiber von klassischen Städte-Fernbuslinien auf dem deutschen Markt. Die größten gemessen an angebotenen Fahrplankilometern sind laut IGES derzeit: MeinFernbus mit einem Marktanteil von 39,7 Prozent, Busse der DB AG (21,7 Prozent), Flixbus (14,8 Prozent), ADAC Postbus (7,5 Prozent) und city2city (4,8 Prozent). Christiane Leonard, bdo-Hauptgeschäftsführerin, sagte: „Die rapide Zunahme der Fahrten mit Fernlinienbussen um 230 Prozent zeigt, welche Dynamik in dem noch jungen Markt steckt.“ Dass große Player in den Fernlinienmarkt eingestiegen sind, zeige, dass sie mit dem Omnibus auf ein aufstrebendes Verkehrsmittel setzen. Leonard fügte hinzu: „Insofern ziehen wir eine positive Bilanz und schauen voller Spannung ins nächste Jahr. Es wird dann wichtig sein, dass die Fernbusse angemessene Terminals bekommen, die den Anforderungen des Marktes genügen.“ Dazu gehört nach Ansicht des bdo die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, Wetterschutz, Toiletten, Ticket- und Lebensmittelverkauf sowie eine Versorgungsinfrastruktur für Busse.
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