Personalmangel verschärft sich weiter: Busfahrerinnen und -fahrer dringend gesucht!

Noch schlimmer als befürchtet – der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) hat nach der jüngsten Mitgliederbefragung die drohende Personallücke bis 2030 deutlich nach oben korrigiert und rechnet in den nächsten sieben Jahren mit rund 87.000 unbesetzten Stellen.

Die Not wird immer größer und die Prognosen für die kommenden sieben Jahre immer düsterer – momentan fehlen nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) fast 7.800 Busfahrerinnen und -fahrer. (Foto: Deutsche Bahn/Oliver Lang)
Die Not wird immer größer und die Prognosen für die kommenden sieben Jahre immer düsterer – momentan fehlen nach Angaben des Berufsverbandes Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) fast 7.800 Busfahrerinnen und -fahrer. (Foto: Deutsche Bahn/Oliver Lang)
Martina Weyh

Deutlich nach oben anpassen musste der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) seine Prognose zum drohenden Fahrpersonalmangel – stand bislang die Zahl von 76.000 unbesetzten Stellen bis 2030 im Raum, so hat die jüngste Umfrage des Branchenverbandes unter seinen Mitgliedern ergeben, dass mit über 10.000 mehr und damit rund 87.000 fehlenden Busfahrerinnen und -fahrern gerechnet werden muss.

Gründe sind u.a. die Verkehrswende, die die Zahl der Fahrgäste steigen lässt und gleichzeitig den Bedarf an Busfahrerinnen und -fahrern erhöht, zum anderen scheiden viele Beschäftigte altersbedingt aus ihren Unternehmen aus. Zudem schreckt die teure und in Deutschland komplizierte Ausbildung viele junge Leute ab. Bezahlung und Image des Berufsbildes tun ein Weiteres, obwohl die Branche in dieser Richtung viel versucht und mit Kampagnen zur Personalgewinnung » wacker dagegenhält.

Schon jetzt ist die Lage düster

Aktuell fehlten den Busunternehmen insgesamt fast 7.800 Leute – viele der Unternehmen müssten deshalb bereits Aufträge ablehnen oder könnten sich an Ausschreibungen nicht beteiligen, so Patrick Orschulko, Referent für Recht und Touristik beim bdo, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Während einerseits viele Busfahrerinnen und Busfahrer in Rente gingen, müsse man sich andererseits „im Rahmen der Verkehrswende auf eine Verdoppelung der Fahrgäste einstellen".

Mitverantwortlich für die desaströse Situation sei auch die Corona-Pandemie gewesen, die den Mangel noch verschärft habe. Weil Fernbusreisen lange Zeit nicht möglich waren, hätten viele Unternehmen auf Kurzarbeit umstellen müssen, mit der Folge, dass viele Fahrer der Branche den Rücken kehrten.

Forderung nach schnellerer und unkomplizierter Ausbildung

Helfen könnte nach Ansicht des Branchenverbandes vor allem eine Vereinfachung und eine Entbürokratisierung der Ausbildung für Busfahrerinnen und -fahrer. In Deutschland ist die Ausbildung zweigeteilt: Zum einen müssen angehende Fahrerinnen und Fahrer den Busführerschein erwerben. Zum anderen müssen sie die sogenannte Berufskraftfahrerqualifikation abschließen, die es ihnen ermöglicht, Fahrgäste zu befördern. Das führt nach Ansicht des bdo dazu, dass die Ausbildung in Deutschland deutlich teurer und langwieriger ist, als in anderen EU-Ländern wie etwa Österreich. Der Verband fordert deshalb, dass diese beiden Ausbildungswege zusammengelegt werden.

„Mit einer ‚2 in 1‘-Ausbildung wären Busfahrer:innen nach einer Unterrichtseinheit, einer Theorie- und einer Praxisprüfung einsatzbereit", heißt es in einem bdo-Positionspapier.

Anerkennung als Mangelberuf

Darüber hinaus kritisiert der Branchenverband, dass der Beruf des Busfahrers in den offiziellen Statistiken nicht als sogenannter Mangelberuf geführt wird. In der Statistik der Bundesagentur für Arbeit würden Bus- und Straßenbahnfahrer und -fahrerinnen zusammen aufgeführt. Das verzerre die Situation bei den Busfahrern, die einen eigenen Berufszweig darstellten.