Intros von Trapeze erleichtert Busnutzung für Menschen mit Sehbehinderung

Die Saarbahn stattet derzeit ihre gesamte Busflotte mit dem barrierefreien Informations- und Orientierungssystem aus.

Testeten das Trapeze-System Intros persönlich: v.l. Katharina Messner-Schalk (Saarbahn), der blinde Fahrgast Heinz-Peter Engels (57) aus Saarbrücken und Michael Gröger (Saarbahn). (Foto: Saarbahn)
Testeten das Trapeze-System Intros persönlich: v.l. Katharina Messner-Schalk (Saarbahn), der blinde Fahrgast Heinz-Peter Engels (57) aus Saarbrücken und Michael Gröger (Saarbahn). (Foto: Saarbahn)
Claus Bünnagel

Trapeze hat in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (SBV) das System Intros entwickelt, das Fahrgäste mit Seheinschränkung sprichwörtlich von A nach B begleitet. Auf der IT-Trans vom 14. bis 16. Mai in Karlsruhe wird es näher vorgestellt.

Um zu erfassen, welche Bedürfnisse blinde Menschen im ÖPNV haben und was die dringlichsten Problemstellungen sind, hat das Intros-Entwicklerteam eng mit dem SBV zusammengearbeitet.

Michael Lingk, Produktmanager bei Trapeze, sagt: „Als Interessenvertreter der sehbehinderten und blinden Fahrgäste kam der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband SBV im Jahr 2018 auf Trapeze Switzerland zu – mit der Anforderung, eine regional skalierbare Lösung zu entwickeln. Bereits im ersten Pilotprojekt wurden Schüler der Blindenschule Zugerland in die Tests involviert, um die Akzeptanz der Lösung sicherzustellen. Außerdem arbeiten die Betroffenen explizit selbst an der Lösung mit, beispielsweise Informatiker der Abteilung Technologie und Innovation des SBV. So wurde die App von Betroffenen für Betroffene entwickelt. Und damit ließen sich Überraschungen bei der Entwicklung vermeiden.“

Echtzeitkommunikation und vernetzte Systeme

Grundlage des Systems ist ein Bordmodul, das über eine Schnittstelle mit dem Bordcomputer des Fahrzeugs in Verbindung steht, sowie eine App, die Nutzende auf ihrem Smartphone installieren und die via Bluetooth Low Energy mit dem Bordmodul kommunizieren kann. Immer im Fokus dabei ist, dass Fahrgäste ihre Reise weitestmöglich selbstbestimmt und unabhängig von der Hilfe Dritter planen und antreten können.

Bereits vor Reiseantritt kann der Fahrgast mithilfe der App auf die Fahrpläne zugreifen und seine Route planen – dabei erkennt das System automatisch, welche Haltestelle die nächste zum aktuellen Aufenthaltsort ist. Ist der Fahrgast bereits an der Haltstelle, erkennt das System dies und zeigt den lokalen Fahrplan an. Fährt das gewünschte Fahrzeug ein, informiert die App den Nutzenden und leitet ihn zum richtigen Einstiegspunkt.

Eine wichtige Komponente von Intros ist dabei die Echtzeitkommunikation mit dem Bordcomputer des Fahrzeugs sowie die direkte Interaktion mit dem Fahrzeug. Via App können Nutzende beispielsweise an den Fahrerplatz übermitteln, dass sie beim Ein- und Ausstieg aus dem Fahrzeug mehr Zeit benötigen oder an welcher Haltestelle sie den Bus verlassen möchten. Akustische Signale an Bord sowie ein Freisprechsystem, bei dem das Handy in der Tasche bleiben kann, erleichtern die Bedienung.

Komplexe Technik – komplexe Implementierung?

Die Möglichkeiten, die sich Fahrgästen mit Seheinschränkung dank des Intros-Systems eröffnen, sind umfassend. Doch wer deshalb von einer hochkomplexen Einrichtung ausgeht, liegt falsch. Denn die Hauptarbeit leistet die Software-Anwendung.

„Zusätzlich ist lediglich die Intros-Hardware erforderlich, die in die Fahrzeuge der Verkehrsbetriebe integriert wird“, so Michael Lingk.

Saarbahn stattet gesamte Busflotte aus

Die Saarbahn stattet derzeit ihre gesamte Busflotte mit dem barrierefreien Informations- und Orientierungssystem Intros aus. Mit dem System möchte das Saarbrücker Verkehrsunternehmen insbesondere seinen blinden und seheingeschränkten Fahrgästen die Nutzung des ÖPNV erleichtern und ihre selbstbestimmte Mobilität unterstützen. Das Leuchtturmprojekt wird vom Saarland gefördert.

Vorangegangen war in den Jahren 2020 und 2021 ein Pilotprojekt der Saarbahn, unterstützt vom Blinden- und Sehbehindertenverein für das Saarland e. V., der hauptamtlichen Behindertenbeauftragten und dem Behindertenbeirat der Landeshauptstadt Saarbrücken. Hierbei wurde der Einsatz des „Barrierefreien Informations- und Orientierungssystems“ mit blinden- und seheingeschränkten Testnutzern zunächst auf einer Linie erprobt.

„Im Mittelpunkt standen dabei die besonderen Anforderungen der Zielgruppen und die Nutzerfreundlichkeit des Systems“, erklärt Katharina Meßner-Schalk, Leiterin Stabsstelle Strategische Projekte bei der Saarbahn.

Nach mehrmonatiger Erprobung wurde die Technik testnutzerseitig als geeignet beschrieben, blinden und seheingeschränkten Menschen echte Alltagshilfe zu bieten. Von dem Angebot könnten weitere Nutzergruppen profitieren, beispielsweise Senioren, aber auch Analphabeten oder Personen, die aufgrund geistiger Behinderung die herkömmliche Fahrgastinformation nicht nutzen können.

Die Saarbahn befördert mit 28 Bahnen und 138 eigenen Bussen jährlich rund 40 Mio. Menschen in der Landeshauptstadt Saarbrücken und der umliegenden Region.