Linienverkehr: Vorläufiges Aus für Leap

Seit Mitte Mai stehen vier Luxus-Linienbusse in San Francisco still.
Anja Kiewitt

Wegen einer fehlenden Betriebserlaubnis und aufgrund von Sicherheitsmängeln dürfen sie auf den Straßen von San Francisco (Kalifornien, USA) nicht mehr fahren: Die vier Luxus-Lounge-Busse von Leap, einem von drei US-amerikanischen Start-ups, die angesichts des überlasteten öffentlichen Verkehrssystems in der kalifornischen Stadt ein gutes Geschäft wittern.

Testbetrieb seit Mitte März

Laut einem Online-Artikel der Tageszeitung "Handelsblatt" musste Leap - Mitte März gestartet - Mitte Mai den Testbetrieb einstellen. Grund war demnach eine Verfügung der „California Public Utility Commission“ wenige Tage nach dem Start einer Werbeaktion: Zwei statt sechs Dollar sollte eine Fahrt kosten, 25 Cent weniger als im städtischen Linienbus.

Zwei Millionen Dollar pro Bus

Zuvor brachten die zwei Millionen Dollar teuren Linienbusse - finanziert von Investor Marc Andreessen - täglich rund 700 Berufspendler morgens vom Nobel-Stadtteil Marina ins Technikviertel South of Market (SoMa) und abends wieder zurück. Das Smartphone war dabei Ticket und Fahrplan. Starre Abfahrtszeiten gab es nicht, die Fahrzeuge fuhren nur ihre Route ab. Mehr als zehn Minuten betrug die Wartezeit selten, die Fahrt dauerte kaum 20 Minuten, geht aus dem Handelsblatt-Bericht hervor.

Eiskaffee im Ledersessel

Neben Ledersesseln standen den Fahrgästen demnach Sitzschalen an einer Laptop-Theke sowie kostenloses WLAN zur Verfügung. Vor einer holzgetäfelten Busrückwand boten U-förmig angeordnete Lederbänke Gelegenheit zum Austausch mit anderen Fahrgästen. Gereicht wurden Fruchtsäfte oder Eiskaffee. Rollstuhl-freundliche Aufzüge und ausgewiesene Rollstuhl-Plätze waren bis dato aber nicht vorhanden, jedoch in Planung.

Zweiklassen-Transportsystem befürchtet

Betrieb, Wartung sowie Auswahl und Überprüfung der Fahrer übernahm eine private Busgesellschaft, während Leap die digitalen Dienstleistungen steuerte. Kritiker des Systems bemängeln, dass private Linienbusse wie die von Leap - anders als ÖPNV-Fahrzeuge - nur selektiv profitable Routen zu Stoßzeiten und an Wochentagen fahren. Sie fürchten dadurch ein Zweiklassen-Transportsystem sowie weniger Investments in den ÖPNV.

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