Anja Kiewitt

Trotz eines derzeitigen Nachfrage-Booms der Fernlinienbusbetreiber nach neuen Fahrzeugen rechnet Axel Stokinger, Geschäftsleiter der Vertriebsorganisation Deutschland der Neu-Ulmer Daimler-Tochter EvoBus GmbH, damit, dass sich hierzulande langfristig ein Sättigungseffekt einstellen wird. Das sagte Stokinger Mitte Mai vor Journalisten in München. Aufgrund der Erfahrungen von Daimler Buses in den traditionellen Fernbusmärkten Spanien und Türkei geht er aber davon aus, dass der Fernbusmarkt in Deutschland noch weiter zulegen wird.

Geschäftsreisende an Bord

Allein der achte Bahnstreik der Lokführergewerkschaft GDL in Folge habe der Branche zusätzlich 500.000 Neukunden beschert, darunter auch neue Zielgruppen wie Geschäftsreisende. Sollte jedoch das Gesetz zur Barrierefreiheit in Fernbussen wie geplant 2016 in Kraft treten, könnten sich sowohl Betriebskosten als auch Ticketpreise verteuern, so der EvoBus-Vertriebschef. Angepasst werden müssten dann auch die Infrastruktur an den Busbahnhöfen sowie die technischen Eigenschaften von Rollstühlen.

Doppelstockbus-Absatz verdoppelt

Aktuell wachse das Segment der Doppelstockbusse besonders rasant. Laut Stokinger verließen im Jahr 2014 doppelt so viele Doppelstockbusse wie im Jahr zuvor die Fertigungshallen am Setra-Standort Neu-Ulm. An Spitzentagen sind laut Daimler Buses hierzulande annähernd 800 Fernlinienbusse im Einsatz, 200 mehr als noch im September 2014. Davon sei jeder zweite ein Mercedes-Benz oder Setra. Jährlich verkaufe der Konzern in Deutschland 100 bis 150 Fahrzeuge mit der deutlich teureren Fernbus-Ausstattung, weit weniger allerdings als reguläre Reisebusse.

Austausch nach vier Jahren

Insgesamt setzt Daimler pro Jahr etwa 2.900 Busse ab. Eine neue Herausforderung für die Hersteller ist laut Stokinger die steigende Laufleistung von Fernbussen. Während sie pro Jahr bis zu 400.000 Kilometer zurücklegen, bringen es Standard-Reisebusse nur auf 60.000 bis 80.000 Kilometer, so der Experte. Fernbusse würden unter anderem deshalb meist nach drei bis vier Jahren ausgetauscht und dem Gebrauchtfahrzeugmarkt zugeführt.

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