Gegensätze bei der Frage nach der Barrierefreiheit

Minister Hermann besucht mittelständisches Busunternehmen
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Thomas Burgert
Der baden-württembergische Minister für Verkehr und Infrastruktur Winfried Hermann besuchte am Mittwoch das mittelständische Omnibusunternehmen Rast Reisen im badischen Hartheim bei Freiburg. Er wurde dort vom Vorsitzenden des Verbandes Baden-Württembergischer Omnibusunternehmen (WBO) Klaus Sedelmeier begrüßt, der das Unternehmen zusammen mit seinen beiden Brüdern führt: „Wir sind ein typisches Familienunternehmen, so wie es in der Busbranche im Land zum Glück noch viele gibt.“ Hintergrund des Besuchs war die beabsichtigte Neugestaltung der ÖPNV-Finanzierung im Land. Gerade der Busverkehr im ländlichen Raum muss aus Sicht des WBO mehr in den Fokus. Der Verband befürchtet, dass das Land seine Mittel zunehmend im Schienenverkehr konzentriert und die Fläche so zu kurz kommt. Klaus Sedelmeier: „Der Bus ist in Baden-Württemberg mit Abstand das am meisten genutzte Nahverkehrsmittel. Die Politik will das oft nicht wahrhaben.“ Er fordert vom Land mehr Einsatz für Busleistungen in der Fläche: „Sonst können wir uns von einem flächendeckenden ÖPNV verabschieden. Nur mit Bürgerbussen und Bürgerautos lässt sich das nicht machen.“ Beide Seiten betonten Gemeinsamkeiten, was die positiven Auswirkungen des neu in Kraft getretenen Tariftreue- und Mindestlohngesetzes anbelangt. Der Sicherheit im Schülerverkehr wollen die Busunternehmen zusammen mit dem Land weiter besondere Aufmerksamkeit widmen. Minister Hermann sprach sich dafür aus, genauso die Ansprache der älteren Generation zu intensivieren: „Wir müssen die Alternativen zum Auto ins Blickfeld rücken. Ich würde mich freuen, wenn wir gemeinsam Kurse für Seniorinnen und Senioren etablieren würden.“ Ein deutlicher Gegensatz zeigte sich zuletzt in der Einschätzung der Möglichkeiten, im ländlichen ÖPNV eine barrierefreie Beförderung von Fahrgästen zu ermöglichen. Mit Niederflurbussen ist nach Meinung von Klaus Sedelmeier dort keine echte Barrierefreiheit gewährleistet: „Ohne Bordstein schafft es kein Gehbehinderter oder Rollstuhlfarer in den Bus“. Wie es dagegen geht, zeigte er an einem modernen Überlandbus: „Der Hublift garantiert auf flacher Straße ein problemloses Ein- und Aussteigen von Menschen mit Gehbehinderung“. Er wies darauf hin, dass diese Busse mehr Sitzplätze und auch einen Kofferraum aufweisen, was beides von Fahrgästen sehr geschätzt werde: „Sie stehen ansonsten klassischen Stadtbussen in nichts nach und sind vor allem keine verkappten Reisebusse“. Klaus Sedelmeier dankte Hermann für den Besuch und den offenen Austausch. Er zeigte sich zuversichtlich, was die Zukunft der Busförderung anbelangt: „Baden-Württemberg hat in der Fläche das beste Busangebot aller Bundesländer. Wir haben Minister Hermann gebeten, dies aufrechtzuerhalten und weiter zu stärken. Wir bieten ihm weiter jede Unterstützung an. Ich glaube auch, unsere Hinweise in Sachen Barrierefreiheit wurden von ihm wohlwollend aufgenommen.“