Autonomes Fahren: Bilanz nach erstem Jahr "SmartShuttles" in Sitten

Postauto, Navya und BestMile wollen Test über Oktober hinaus verlängern.
Positive Zwischenbilanz: Seit dem 23. Juni 2016 haben die beiden SmartShuttles im Zentrum von Sitten bereits mehr als 21.500 Personen befördert. (Foto: PostAuto)
Positive Zwischenbilanz: Seit dem 23. Juni 2016 haben die beiden SmartShuttles im Zentrum von Sitten bereits mehr als 21.500 Personen befördert. (Foto: PostAuto)
Anja Kiewitt

Ein Jahr nach der Inbetriebnahme der weltweit ersten "SmartShuttles" auf öffentlichen Straßen (busplaner berichtete) ziehen die PostAuto Schweiz AG, Bern, und ihre Partner des "Mobility Lab" (Kanton Wallis, Stadt Sitten, ETH Lausanne und HES-SO Valais-Wallis) eine positive Bilanz. Seit dem 23. Juni 2016 haben die beiden SmartShuttles im Zentrum von Sitten bereits mehr als 21.500 Personen befördert, wobei mehrere Tausend Fahrgäste eigens aus der übrigen Schweiz und dem Ausland angereist sind. Auch zahlreiche öffentliche Institutionen, insbesondere Gemeinden und Verbände, nahmen die Gelegenheit wahr, die neue Technologie vor Ort zu testen. Bei Messepräsentationen beförderten die Fahrzeuge zusätzlich rund 20.000 Fahrgäste.

Sechs Kilometer pro Stunde

Im ersten Testjahr waren die gelben Shuttles 312 Tage im Einsatz und legten mehr als 4.500 Kilometer zurück. Sie verkehren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von sechs Kilometern pro Stunde und brauchen somit für die 1,5 Kilometer lange Strecke in Sitten rund eine Viertelstunde. Die kleinen selbstfahrenden Busse ohne Lenkrad und Pedalen sind mit elf Sitzplätzen ausgestattet. Ein mitfahrender Sicherheitsbegleiter überwacht die Systeme und kann im Bedarfsfall eingreifen.

Wann Menschen eingreifen

In 80 Prozent der Interventionen müssen die Begleiter im manuellen Modus Hindernisse wie falsch geparkte Autos umfahren, teilt PostAuto mit. Auch sei beispielsweise der Einsatz der SmartShuttles bei starkem Schneefall derzeit noch nicht möglich. Im September 2016 ereignete sich zudem ein Vorfall, als einer der beiden Shuttles auf einer Höhe von ungefähr 2,20 Metern die offene Heckklappe eines parkenden Lieferwagens touchierte. Beide Fahrzeuge wurden leicht beschädigt. Die Verantwortlichen setzten den Testbetrieb für zwei Wochen aus. Für die erneute Inbetriebnahme setzten PostAuto und der Fahrzeugkonstrukteur Navya kleine technische und organisatorische Anpassungen um. Beispielsweise wurde der Sicherheitsabstand für das Befahren von Kurven erhöht, sodass die Fahrzeuge sensibler auf Hindernisse reagieren und schneller anhalten können.

Flottenmanagement von BestMile

Auch die 3-D-Karte des Flottenmanagementsystems von BestMile, das die Fahrzeuge überwacht, musste mehrmals angepasst werden. Auf der Basis dieser Kartografie speichern die SmartShuttles eine Fahrstrecke, die sie dann befahren. Die für das Fahrverhalten und das Flottenmanagement notwendigen Algorithmen testen und verbessern die Forscher der ETH Lausanne. Die Testergebnisse werden auch dem Schweizer Bundesamt für Strassen (ASTRA) zur Verfügung gestellt.

Erweiterung um Rufbusangebot denkbar

Die Partner des Mobility Lab beabsichtigen nun, das Streckennetz der Shuttles in der Stadt Sitten zu vergrössern, um sie auf der letzten Meile in die gesamte Mobilitätskette zu integrieren. PostAuto, die Stadt Sitten und der Kanton Wallis prüfen auch die Option, den ursprünglich fixierten Test-Endtermin von Ende Oktober 2017 hinauszuschieben, um beispielsweise ein Rufbusangebot einzurichten.

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