ÖPNV: Erschwerte Arbeitsbedingungen und Investitionsstau

Hans-Böckler-Stiftung präsentiert Analyse der ÖPNV-Branche.
Julia Lenhardt

Wachsende Fahrgastzahlen, erschwerte Arbeitsbedingungen und ein enormer Investitionsstau werden in den kommenden Jahren auf die ÖPNV-Betriebe zukommen. Dies geht aus der „Branchen-Bestandsaufnahme“ der Hans-Böckler-Stiftung, das Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit Sitz in Düsseldorf, hervor. Grund dafür seien die wirtschaftlichen Umstrukturierungen der kommunalen ÖPNV-Unternehmen.

Anstieg um 100 Prozent

Besonders der erhöhte Personalabbau im Fahrdienst und im Werkstattbereich sowie die engeren Schichtpläne erhöhen den Druck auf die Beschäftigten, so die Stiftung. Trotz weniger Arbeitskräfte müsse aber bis zum Jahr 2020 mit einem erheblichen Zuwachs an Fahrgästen gerechnet werden. In den Metropolen soll  das Aufkommen der Reisenden laut der Studie um 100 Prozent ansteigen, in ländlichen Gebieten um 24 bis 29 Prozent.

Qualität verbesserungswürdig

Bei der Qualität des ÖPNV sehen nach Stiftungsangaben 75 Prozent der Betriebs- und Personalräte Verbesserungsbedarf. Dies steht demnach im Gegensatz zur Sicht der Unternehmensvertreter: Nur ein Viertel sieht das Angebot als unzureichend an.

Rückstände von vier Milliarden Euro

Ein weiteres Problem seien die Investitionsrückstände von geschätzt vier Milliarden Euro. Jährlich fehlen nach Analysezahlen rund 500 Millionen Euro für den Abbau der Rückstände sowie für Neuinvestitionen. Für Erstbeschaffungen von Fahrzeugen stehen demnach keine Rücklagen zur Verfügung.

Basis der Studie

Die Studie stützt sich nach Stiftungsangaben auf Interviews mit Branchenexperten und auf eine Umfrage, an der sich Manager aus 55 Prozent der deutschen ÖPNV-Unternehmen sowie 207 Mitlieder von ÖPNV-Betriebs- und Personalräten beteiligten.

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