ADAC-Studie: Synthetisch tanken statt Diesel?

Eine aktuelle Untersuchung des ADAC kommt zu dem Schluss: Grundsätzlich wäre es problemlos statt herkömmlichem Sprit synthetische Kraftstoffe zu tanken. Aber es gibt noch Hürden.

 

Mit eFuels ließe sich die CO2-Bilanz aufbessern und auch Schadstoffe insgesamt reduzieren. Allerdings gibt es noch Optimierungspotential und Produktionsanlagen fehlen ebenfalls noch. (Foto: pixabay)
Mit eFuels ließe sich die CO2-Bilanz aufbessern und auch Schadstoffe insgesamt reduzieren. Allerdings gibt es noch Optimierungspotential und Produktionsanlagen fehlen ebenfalls noch. (Foto: pixabay)
Redaktion (allg.)
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Synthetische Kraftstoffe sind schon seit geraumer Zeit als klimaneutrale Alternativen zu Benzin oder Diesel im Gespräch. Allerdings gab es dafür bisher kaum Produktionsanlagen, doch in naher Zukunft könnte sich das ändern. Nun wollte der ADAC wissen, ob die eFuels denn tatsächlich als Ersatz taugen. Die nun vorliegende Antwort lautet: Grundsätzlich ja. Allerdings gibt es noch Optimierungsbedarf. Und die Produktionslanlagen fehlen.

In der Pressemeldung, in der der Club die Ergebnisse der Labor-Untersuchungen veröffentlicht hat, heißt es, dass „die synthetischen Kraftstoffe problemlos funktionieren, sofern die Modelle für den jeweiligen Sprit freigegeben sind“. Die Messungen hätten ergeben, dass sich auch die Schadstoffemissionen durch die alternativen Kraftstoffe nicht verschlechterten.

Karsten Schulze, ADAC Technikpräsident, wertet das Ergebnis der Analyse daher als vielversprechend:

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass weiter optimierte eFuels das Potenzial haben, bei der bestehenden Fahrzeugflotte nicht nur die CO2-Bilanz zu verbessern, sondern auch die Schadstoffemissionen zu reduzieren. Dafür müsste man nicht die Erneuerung der gesamten Flotte abwarten.“

 

Die CO2-neutralen Kraftstoffe wären damit eine gute Ergänzung zum Markthochlauf der Elektromobilität, denn sie können parallel einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Für die aktuelle Untersuchung standen nur Prototypen-eFuels zur Verfügung, die eine gute Qualität aufweisen, aber aktuell noch nicht das volle Potenzial künstlich erzeugter Kraftstoffe ausnutzen. Geplante neue Produktionsanlagen werden, so erwartet es der ADAC, in Zukunft weiter optimierte Kraftstoffe produzieren. Die Messungen zeigen, dass es noch Optimierungspotenziale bei der Zusammensetzung der künstlichen Kraftstoffe gibt. So könnte ein ideal ausgelegtes eFuel letztlich sogar einen positiven Effekt auf die Luftreinhaltung haben, da beispielsweise ein reduzierter Aromatenanteil im Kraftstoff für geringere Partikelemissionen sorgen kann.

Der Club weist aber auch darauf hin, dass die Herstellung von strombasierten eFuels ist mit einem hohen Energieaufwand verbunden ist. Eine Produktion mache daher vor allem mit überschüssigem Ökostrom Sinn. Sonnen- oder windreiche Gegenden eignen sich dafür besonders.

Da es auch möglich ist, mineralische und künstliche Kraftstoffe zu mischen, kann der eFuels-Anteil kontinuierlich je nach Verfügbarkeit gesteigert werden. Aus Sicht des ADAC zählt daher das Argument nicht, dass der Gesamtbedarf für eFuels aktuell ohnehin nicht gedeckt werden könnte und sie damit abzulehnen wären.

„Es sollte jetzt die Chance ergriffen werden, den fossilen Anteil durch Beimischung von eFuel kontinuierlich zu reduzieren und so schon jetzt einen wichtigen Beitrag für den Umweltschutz zu leisten,“ so Schulze. “Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass die Politik für Hersteller Anreize schafft und Perspektiven gibt. Denn die hohen Investitionen und Entwicklungsaufwände erfordern Planungssicherheit.“

Außerdem sollte nach Ansicht des ADAC in Deutschland endlich die Zulassung für den regulären Verkauf paraffinischer Dieselkraftstoffe nach EN 15940 (z.B. HVO) als Dieselersatz erfolgen. In anderen EU-Ländern sind diese Kraftstoffe bereits erhältlich.

Die Alternativen für Ottokraftstoffe mit der Norm EN 228 können in jedem Benziner problemlos verwendet werden. Paraffinische Dieselkraftstoffe wie HVO sind dagegen nicht hundertprozentig mit der Dieselnorm EN 590 kompatibel, weshalb ein Dieselmotor explizit dafür freigegeben sein muss. Die Auto-Hersteller sind in Teilen immer noch sehr zurückhaltend bei den Freigaben ihrer Dieselmodelle für paraffinische Kraftstoffe wie HVO. In skandinavischen Ländern ist man hier schon weiter. Der ADAC fordert daher die gleichen Freigaben auch für die Modelle in Deutschland.

Die unterschiedlichen Kraftstoffe wurden im ADAC Test in fünf Fahrzeugmodellen auf dem Prüfstand untersucht. In über 100 Messungen wurden die Abgasemissionen und die Verbräuche exakt bestimmt und miteinander verglichen.

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