Kurze Wege, große Erlebnisse

Glacier und Bernina Express? Klar, das sind die großen Zugpferde Schweizer Berg- und Eisenbahnromantik. Doch wer bei seinen Kunden, die die Klassiker längst schon sommers wie winters gefahren sind, einen neuen Reiz setzen will, der sollte auch einmal ganz genau links und rechts von Albulastrecke & Co. schauen. Wir haben da einige sehr gute Tipps für Sie.

Die Standseilbahn Schwyz–Stoos startet auf ihre Talfahrt. Im Hintergrund die Mythen (1.898 m), die geologisch eigentlich am Mittelmeer zu Hause waren und beim ­faltenartigen Zusammenschub des Ozeanbodens nahezu 150 km nordwärts geschoben wurden. Bild: Bünnagel
Die Standseilbahn Schwyz–Stoos startet auf ihre Talfahrt. Im Hintergrund die Mythen (1.898 m), die geologisch eigentlich am Mittelmeer zu Hause waren und beim ­faltenartigen Zusammenschub des Ozeanbodens nahezu 150 km nordwärts geschoben wurden. Bild: Bünnagel
Claus Bünnagel
BAHNERLEBNIS SCHWEIZ

Uns führte die Fahrt ins Dreieck Zürich–St. Gallen–Luzern, organisiert im Rahmen einer Expedientenreise von der STC Switzerland Travel Center GmbH. Und sie versprach kurze Wege bei gleichzeitig vollgepacktem Erlebnisprogramm. Denn die Dichte von weltbekannten Aussichtsbergen und Bergbahnen ist hier besonders hoch.

Nach dem Bahntransfer von Zürich nach St. Gallen stiegen wir in einen Zug der Appenzeller Bahnen ein. Die sind übrigens mehr als ein Transportmittel, denn sie bieten neben dem Zahnraderlebnis auf einigen Strecken auch Mitfahrten in Cabrio- oder Nostalgiewagen an. Gruppen ab 20 Personen können ein Krimidinner mit „Mord im Appenzeller-Express“, Jass-Nachmittage und Fonduefahrten buchen.

In Appenzell angekommen, begaben wir uns mit Fremdenführerin Elsbeth Fässler auf Spurensuche durch den Hauptort (ca. 6.000 Einwohner) des kleinsten Schweizer Kantons Appenzell Innerrhoden (rund 16.000 Einwohner). Besonders schön: die vielen mit Ornamenten bemalten Häuser, eine Tradition, die 1923 vom Kunstmaler Johannes Hugentobler initiiert wurde. Eine Besonderheit sind auch die im Stadtbild integrierten Kunstinstallationen von Roman Siegner. Doch Vorsicht: Setzen Sie sich nicht an den einladenden Tisch mit Bänken am Flüsschen Appenzell, sie könnten Ihr (spritziges) Wunder erleben. Für uns ging es am späten Nachmittag per Bahn und Postbus noch weiter zur Schwägalp. Von hier fährt ganzjährig alle 30 Minuten, bei hohem Passagieraufkommen auch alle 15 Minuten die Schwebebahn auf den Säntis (2.502 m). Im Panorama-Restaurant können Gruppen bis 190 Personen beköstigt werden und genießen gleichzeitig den grandiosen Ausblick. Wer auch den Sonnenaufgang auf den Gipfel erleben möchte, bucht außerdem eine Nacht im Drei-Sterne-Superior-Hotel.

Wir jedoch hatten uns ins stilvoll eingerichtete und gerade frisch renovierte Vier-Sterne-Superior-Hotel Einstein in St. Gallen eingebucht. Von hier aus startete am nächsten Tag der Rundgang mit Stadtführerin Christa Nüesch, die seit kurzem auch mit Kolleginnen im Rahmen einer szenischen Führung als Mägde aus dem 16. Jahrhundert gebucht werden kann. Unvollständig wäre der St.-Gallen-Aufenthalt auf jeden Fall ohne Besuch der Kathedrale und der nahen Stiftsbibliothek, die u.a. rund 2.100 Handschriften besitzt, darunter ca. 400 aus der Zeit vor dem Jahr 1.000 – weltweit einmalig. Später brachte uns der Voralpen-Express, der seit Mitte 2019 brandneue Züge vom Typ Traverso einsetzt, komfortabel nach Arth-Goldau, wo Reisebusse am besten den kostenfreien Parkplatz A4 oberhalb des Orts nutzen können. Bei bestem Wetter startete unsere Bergfahrt – und zwar per Zahnradbahn – auf den nächsten Ausflugsgipfel der Superlative, die Rigi. Wir nutzen die letzten warmen Sonnenstrahlen im Oktober, um nach ausgiebigem Panoramagenuss auf 1.798 m eine entspannte kleine Wanderung zum Drei-Sterne-Superior-Hotel Rigi Kaltbad anzuschließen, wo wir nach Zimmerbezug im extravaganten Außenpool den Blick zu Eiger, Mönch und Jungfrau schweifen ließen.

Steiler Weltrekord

Nach der Talfahrt mit der Rigi-Zahnradbahn hinunter nach Vitznau am Vierwaldstättersee ging es per Bus zur Standseilbahn Schwyz-Stoos. Sie ist ein offizielles ÖPNV-Verkehrsmittel, denn sie ist die zentrale Verbindung nach Stoos auf 1.305 m. Doch hier ist nicht nur das Ziel, das autofreie 150-Einwohner-Örtchen, sondern gerade auch die Beförderung dort hinauf die Attraktion – wahrscheinlich die größere von beiden. Denn die Stoosbahn ist nach ihrem Neubau 2017 die steilste Standseilbahn der Welt. Sie überwindet auf einer Länge von gerade einmal 1.740 m nicht weniger als 744 m und besitzt an ihrer steilsten Stelle eine Neigung von 47,73°. 88 Mio. CHF verschlang ihr Bau, der mit fünf Jahren deutlich länger dauerte als veranschlagt. Wer denkt, bei der Auf- oder Abfahrt durch die Steilheit sozusagen in den Seilen zu hängen, sieht sich bald angenehm getäuscht. Denn die vier rundlichen Kabinen sind beweglich und passen sich so dem Gelände an, dass die Passagiere im Innern immer in der Waagerechte bleiben – auch das weltweit einmalig. Nur an einer Markierung an der jeweils nächsten Kabine können sie ablesen, wann die steilste Stelle erreicht ist.

Geheimtipp: Für technisch interessierte Gruppen bietet die Stoosbahn eine einstündige Führung u.a. ins Herzstück der Bahn an, den Maschinenraum. Überhaupt kommen mittlerweile durch die spektakuläre Standseilbahn mehr Sommer- als Wintergäste nach Stoos, eine ungewöhnliche Trendumkehr. Übernachten können größere Gruppen bald auch in einem Drei-Sterne-Hotel im Ort, das gerade im Bau befindlich ist.

Claus Bünnagel

Bergbahnen in Österreich: Dampfzugnostalgie und Panorama

Blick nach Österreich: Am 3. Mai 2020 startet die Saison für den Dampfzug der Zillertalbahn. Dann erleben die Gruppenbesucher wieder ein Erlebnis für alle Sinne, können in die Atmosphäre einer vergangenen Epoche eintauchen und den Duft der Kohle riechen. Die „Holzklasse“ und das Klackern der Schienenstöße vermitteln das Reisegefühl einer Zeit, als der Dampfzug die Postkutsche gerade abgelöst hatte. Die Abfahrt ist jeweils ab Jenbach um 10:42 Uhr, ab Mayrhofen um 14:33 Uhr.

Kontakt: Zillertaler Verkehrsbetriebe AG, Tel. 0043/5244/6060, office@zillertalbahn.at, www.zillertalbahn.at.

In sechs Minuten rund 600 Höhenmeter bewältigen und eine andere Welt erleben – auf dem 1.064 m hohen Pfänder am Ostufer des Bodensees. Das ermöglicht die gleichnamige Bahn, die nach einer umfassenden Qualitätskontrolle als „Beste österreichische Sommerbergbahn“ vom Fachverband der Seilbahnen Österreichs zertifiziert wurde. Nach der Fahrt mit der barrierefreien Panoramagondel genießt man von der 360°-Panoramaterrasse auf dem obersten Dach der Bergstation den Rundblick auf 240 Alpengipfel und den Bodensee. Lohnende Aktivitäten versprechen die Wanderwege ab dem Gipfel oder ein Besuch des Alpenwildparks. Menüs, zünftige Jausen und hausgemachte Kuchen und Torten bietet das SB-Aussichtsrestaurant Berghaus Pfänder mit Panoramaterrasse. Bei Voranmeldung können Gruppen von 20 bis 250 Personen im ersten Stock bedient werden.

Kontakt: Pfänderbahn AG, Tel. 0043/5574/421600, office@pfaenderbahn.at, www.pfaenderbahn.at.

Belalp: Investitionen in die Zukunft

Auf der Belalp (Kanton Wallis), seit 2001 UNESCO-Welterbe, wird kräftig in die Zukunft investiert. Für die nächste Sommersaison entsteht eine Bikepiste; außerdem wird das Wandernetz ausgebaut. Abgeschlossen wird dabei die Instandsetzung des alten historischen Wegs zwischen Naters und der Belalp mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von ca. 2 Mio. CHF. Alle Anlagen der Belalp Bahnen können Sommerbesucher übrigens kostenlos mit der Gästekarte nutzen. Für die Wintersaison 2020/21 werden nicht nur das Kinderparadies Hexenland und die Funslope „Schneekringel“ ausgebaut, sondern auch der Snowpark auf dem Hohbiel erweitert.

Kontakt: Belalp Bahnen AG & Blatten – Belalp Tourismus AG, 
Tel. 0041/27/9216040, tourismus@belalp.ch, www.belalp.ch.

Bergbahnen in Deutschland: Attraktive Gruppenangebote

Umfangreiche Gruppenangebote für Busreiseunternehmen haben die Oberstdorf Kleinwalsertaler Bergbahnen für die Winter- und Sommersaison aufgelegt. In der kalten Jahreszeit sind die Skitageskarten für Gruppen bis zu 25 % ermäßigt, außerdem gibt es eine Freikartenregelung sowie spezielle Sonderpreise für Schulklassen und vergünstigte Schulklassenessen in der Berggastronomie. Im Sommer locken spezielle Gruppentarife für das Bergbahnticket, mit gültigem Bergbahnticket kostenlose Veranstaltungen an den Bergstationen und geführte Erlebniswanderungen. Zum Service für Busunternehmen zählen kostenlose Busparkplätze, das freie Bergbahnticket für Reiseleiter bei Gruppen ab 20 Personen und der Essensgutschein für Busfahrer. Übrigens: Nach 43 Jahren geht die alte Pendelbahn am Nebelhorn nach der Sommersaison 2020 in den wohlverdienten Ruhestand und wird ab Sommer 2021 durch eine neue, moderne Zwei-Seil-Umlaufbahn ersetzt. Investitionen: rund 53 Mio. Euro.

Kontakt: Uli Gall (Gruppenangebote), Tel. 08322/96002310, u.gall@ok-bergbahnen.com, www.ok-bergbahnen.com.

Durch den Naturpark Südschwarzwald dampft die nostalgische Sauschwänzlebahn. Auch sie hat attraktive Gruppenprogramme für Busunternehmen aufgelegt. Dabei können diese aus einer Reihe von Kombiangeboten u.a. mit dem Deutschen Uhrenmuseums Furtwangen, der Insel Mainau oder dem Badeparadies Schwarzwald wählen. Zum Service gehören zudem kostenfreie Busparkplätze an den Bahnhöfen Blumberg-Zollhaus und Weizen und der Erhalt reservierter Plätze im Zug.

Kontakt: Selina Löffler (Bus- und Gruppenreisen), Tel. 07702/51306, selina.loeffler@sauschwaenzlebahn.de, 
www.sauschwaenzlebahn.de.

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Artikel Kurze Wege, große Erlebnisse
Seite 12 bis 14 | Rubrik Sonderheft Touristik