RDA Group Travel EXPO in Köln 2017 - Ein Rückblick

Impressionen der RDA Group Travel EXPO in Köln 2017.
Impressionen der RDA Group Travel EXPO in Köln 2017.
Anja Kiewitt

Von einem schlimmen Busunglück auf der A9 wurde die RDA Group Travel Expo in Köln 2017 überschattet. In den Gesprächen mit busplaner kritisierten viele der rund 650 Aussteller darüber hinaus das neue Messeformat mit kürzerer Messedauer und zwei Terminen in Köln und Friedrichshafen.

Das Topthema der diesjährigen RDA Group Travel Expo, die am 4. und 5. Juli in Köln stattfand, war ein trauriges: Am Vortag der Bustouristikmesse kam es auf der Autobahn A9 zu einem schweren Unfall mit einem Reisebus, der von Sachsen auf dem Weg zum Gardasee war.

Berichten zufolge war das Fahrzeug auf Höhe Stammbach nahe Münchberg im Landkreis Hof bei sich stauendem Verkehr auf einen Sattelzug geprallt und ging in Flammen auf. Bislang geht die Polizei von 18 Toten unter den 48 Insassen aus. Viele Fahrgäste wurden verletzt.

Der Vorfall rief in der Öffentlichkeit vielfältige Debatten rund um die Sicherheit des Verkehrsmittels Bus hervor.

Um Spekulationen vorzubeugen, stellten der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer e.V., Berlin, und der Landesverband des Sächsischen Verkehrsgewerbes (LSV) e.V., Dresden, zeitnah klar: Der drei Jahre alte Bus vom Typ „FHD2“ des niederländischen Herstellers VDL Bus & Coach bv, Valkenswaard, war zuletzt im April einer Sicherheitsprüfung der Münchener TÜV Süd AG ohne Beanstandung unterzogen worden.

Er war vorschriftsmäßig mit zwei Fahrern unterwegs, von denen einer bei dem Unfall ums Leben kam. Möglicher Auslöser für das Unglück: Nach jüngsten Erkenntnissen des RBI – RDA-Bus-Intervent im Kölner RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V. ist nach dem Anprall auf den davor anhaltenden Lkw infolge einer Notbremsung offenbar Kraftstoff ausgetreten, der sich unfallbedingt sofort entzündete und den davor stehenden Anhänger mit erfasste.

Schweigeminute zum Auftakt

Anlässlich des Unfalls rief RDA-Präsident Benedikt Esser im Rahmen seiner Eröffnungsrede zur RDA Group Travel Expo in Köln zu einer Schweigeminute auf. Auch im Rahmenprogramm des „RDA TrendForums“ wurde das tragische Unglück häufig angeschnitten, etwa im Panel „Sicherheit von Bus und Gästen – ein unterschätztes Qualitätskriterium“.

„Tödliche Busunfälle sind statistisch gesehen selten. Passiert solch ein Unfall, dann ist es oberstes Ziel, das Vertrauen der Kunden aufrechtzuerhalten“, referierte Johannes Hübner, RBI-Sicherheitsbeauftragter des RDA, der Verbandsmitglieder in derartigen Fällen kostenlos unterstützt.
Ab 2018 gilt laut Klaus-Jürgen Oppel von der AKH-Handelsgesellschaft mbH in Gera übrigens die Pflicht, Reisebusse mit einem automatischen Feuerlöschsystem auszustatten, für Linienbusse gelte sie ab 2020. Allerdings sei es mit dem Einbau allein nicht getan. Entscheidend sei die regelmäßige Wartung eines solchen Systems, betonte der Fachmann in Köln.

Weitere vieldiskutierte Themen auf der Messe waren die Barrierefreiheit (siehe Kasten) sowie die Sicherheitslage in vielen Destinationen nach den Terroranschlägen der vergangenen Jahre, etwa in Paris, Brüssel, London und Berlin. „Der Tourismus ist in einigen Regionen zum Leidtragenden extremistischer Anschläge geworden. Einbußen bei Gäste- und Umsatzzahlen belegen das“, bringt es RDA-Chef Esser auf den Punkt.

Weiterhin eine Erfolgsgeschichte sei dagegen die Liberalisierung des Fernbusmarktes. „Bei der jüngeren Klientel ist ‚mit dem Bus zu reisen‘ plötzlich nicht mehr uncool“, betont Esser. „Gleichzeitig sehe ich aber auch ein gewisses Risiko im Monopol eines Quasi-Alleinanbieters. Der größte deutsche Anbieter FlixBus kauft mittlerweile auch im Ausland zu, nachdem der deutsche Markt eigentlich leergefegt ist“, fährt er fort.

Hinzu komme ein Verbraucher, gerade bei den Fernbussen, der mündig, kritisch und fordernd ist. „Wir haben es hier mit einer Generation zu tun, für die Social Media in Fleisch und Blut übergegangen ist. So wird die Digitalisierung für unsere Branche eine riesige Herausforderung“, betont Esser. Zudem habe der Erfolg des Fernbusses auch den Fachkräftemangel in der Branche verschärft. Es fehle mittel- und langfristig an Busfahrern. „Deshalb müssen wir ausbilden“, fordert Esser.

Kritik an Einfahrverboten und Maut

Herausforderungen sieht er auch in den zunehmenden Restriktionen für Reisebusse in Innenstädten, von Einfahrtsverboten für bestimmte Motorentypen bis hin zur gänzlichen Verbannung von Dieselmotoren.

„Ein weiterer Aspekt, gegen den wir angehen müssen, ist die Überlegung der Einführung einer Maut für Busse auf der Autobahn“, so Esser in Köln. Eines der drängenden Branchenprobleme sei außerdem die „Gewerbesteuerliche Hinzurechnung des Hoteleinkaufs“, die ganze Existenzen gefährde.

Hintergrund: Seit der Gewerbesteuerreform 2008 werden angemietete Objekte wie Ladenflächen, Büros oder Produktionsflächen der Gewerbesteuer hinzugerechnet. Die Finanzverwaltungen behandeln aber auch Unterkunftsleistungen der Reiseveranstalter in dieser Form.
Der Einkauf von Hotelbetten wird dabei wie Anlagevermögen bewertet. Das verzerrt den Wettbewerb, weil sie zum Beispiel für Hotelvermittlungsplattformen oder Reiseveranstalter mit Sitz im Ausland nicht gilt, auch wenn sie im deutschen Markt tätig sind, so der RDA.

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Laut einem erstinstanzlichen Gerichtsurteil ist die Gewerbesteuerliche Hinzurechnung in den Augen der Richter in Teilen zulässig – und zwar nur für den sogenannten Nettokaltmieteanteil. In der Praxis weise jedoch kein Hotel diesen Posten einzeln aus. „Die Politik muss schnellstmöglich eine Lösung finden, die Rechtssicherheit schafft“, betont Esser.

Immerhin versprach er der Branche in seiner Ansprache auch einen positiven Ausblick. „Trotz der rückläufigen Anzahl an Omnibusunternehmen, die im Gelegenheitsverkehr operieren, sind die Fahrgastzahlen weitestgehend stabil. Seit der Liberalisierung des Fernbuslinienmarktes ist Jahr für Jahr ein steigendes Fahrgastaufkommen zu beobachten“, so der Messechef.

Und derzeit gewinne auch der Aspekt des Umweltschutzes für Reisebüros, Reiseveranstalter und Busunternehmen an Bedeutung. Etwa ein Viertel der Busunternehmen planen nach RDA-Angaben entsprechende Investitionen. Trotz weiterer geplanter Kostensenkungsmaßnahmen der deutschen Omnibusbetriebe liege der Fokus bei 85 Prozent auf der Modernisierung und Ersatzbeschaffung.

Speziell für die Bus- und Gruppentouristik fanden Messebesucher der diesjährigen RDA Group Travel Expo in Köln Angebote von rund 650 Firmen aus 40 Reiseländern vor. „Erfolgreicher als erwartet“ verlief die erstmals auf zwei Tage verkürzte Messe für den Paketer Service-Reisen Heyne GmbH & Co KG, Gießen.

„Auch wenn der zweite Tag schwächer war, so war dieser immerhin mehr als fünfmal so gut wie 2016 der letzte Messetag. Die Organisation im Vorfeld muss allerdings dringend verbessert werden – das hat dieses Jahr nicht gepasst“, berichtet Geschäftsführer Karl Heyne. Insgesamt sei die Besucherzahl am Service-Reisen-Stand circa zehn Prozent niedriger als im vergangenen Jahr an drei Tagen gewesen. Demnach zog es besonders größere Unternehmen sowie viele Gruppenreisever-anstalter aus der Region bis zu 300 Kilometer um Köln auf die Messe.

Ein Tag weniger für Einkäufer

Kritik am neuen RDA-Format mit der kürzeren Messedauer und zwei Terminen in Köln und Friedrichshafen kommt von der Touren Service Schweda GmbH aus Kehl am Rhein. „Es ist weder für die Aussteller noch für die Besucher finanziell und organisatorisch interessant, zwei recht kostspielige Geschäftsreisen zu tätigen für das, was man vorher an einem Ort erledigen konnte.

Der Wegfall des dritten Tages in Köln trifft besonders diejenigen, die diesen dritten Tag genutzt haben, um auf Ideensuche zu gehen. Diese Kunden haben uns gegenüber bedauert, dass es diesen Tag nicht mehr gibt“, betont Joachim Schweda, Geschäftsführer des Paketreiseveranstalters und Frankreichspezialisten. Auf Dauer habe es keinen Zweck, beide Workshops aufrechtzuerhalten. 

Licht und Schatten als Bilanz

Auch aus Sicht der GTW - Grimm Touristik Wetzlar Gesellschaft für internationalen Bustourismus mbH hat sich das zweitägige RDA-Köln-Format nicht bewährt. „Die Besucherzahlen sind nicht nur bei der GTW geringer als im Vorjahr. Rund 70 Prozent der GTW-Kunden aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz haben den RDA in Köln nicht besucht, da sie in diesem Frühjahr bereits in Friedrichshafen waren“, bilanziert Geschäftsführer Uwe Schneider.

„Die GTW würde sich wünschen, dass die RDA Group Travel Expos im jährlichen Wechsel – einmal früh in Friedrichshafen, im Jahr darauf im Juli in Köln, stattfinden könnten“, schlägt er vor.

Lobende Worte fanden viele Aussteller dagegen für die erste gemeinsame Abendveranstaltung des VPR Internationaler Verband der Paketer e.V., Karlsruhe, und des Kölner RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V. im Rahmen der RDA Group Travel Expo in Köln.

Rund 1.070 Gäste kamen nach Angaben der Verbände am ersten Messeabend zu dem Get-together in die Flora Köln. Die Fortsetzung steht bereits fest: Die nächste VPR/RDA-Abendveranstaltung soll am Abend des ersten Tages der RDA Group Travel Expo 2018 in Köln stattfinden.

Die Messetermine für das kommende Jahr hat der RDA schon bekannt gegeben: In Friedrichshafen konnte mit dem 10. und 11. April der Wunschtermin vieler Aussteller – eine Woche nach Ostern – realisiert werden, zudem zieht der Workshop am Bodensee in die neue Rothaus-Halle A1 um.

Die RDA Group Travel Expo 2018 in Köln soll dann am 3. und 4. Juli 2018 unter dem Motto „Magic Nature“, das für nachhaltige Busreisen steht, stattfinden. „Mit diesem Thema wollen wir auch die Technikaussteller wieder abholen“, verrät Messechef Esser.   Anja Kiewitt

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