Mitfahrportal für Busreisen

Redaktion (allg.)

Seit die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag beschlossen hat, den Busfernlinienverkehr zu liberalisieren, steht das Thema auf der Tagesordnung. Schlagzeilen machte jetzt ein Fall, der inzwischen vor Gericht gelandet ist.

 

Grundsätzlich hört sich die Idee dreier junger Studenten, preisgünstige Busfahrten zwischen deutschen Städten zu organisieren, nicht schlecht an. Doch nun stellt sich heraus, dass es wohl eher ein mutiges als gewitztes Unterfangen war, diese Idee in die Tat umzusetzen – denn die drei Jungunternehmer kamen schnell mit der Deutschen Bahn in Konflikt. Ab Gründung dauerte es kaum ein Jahr, bis der Transportriese DB ihre Firma „Yourbus“ auf Grundlage unlauteren Wettbewerbs verklagte. Die Idee von Yourbus war es, via Internet eine Plattform anzubieten, über die ein jeder nach Mitfahrern für eine Bustour suchen oder selbst eine Fahrt zwischen zwei Städten organisieren kann. Yourbus kümmert sich ab einer Anzahl von zehn Teilnehmern lediglich um die Bereitstellung des Fahrzeugs. „Da wir wie ein Mitfahrportal agieren, stellt der Kunde die Fahrt im Grunde auf eigene Faust zusammen.

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Wir bedienen also den klassischen Gelegenheitsverkehr“, meint Gründungsmitglied Ingo Mayr-Knoch. „Während des Studiums waren wir des Öfteren im Ausland und haben dort viele Strecken preisgünstig mit dem Bus zurückgelegt. Dieses Angebot wollten wir nach Deutschland holen. Vor allem für junge Leute ist dies eine sehr attraktive, da bequeme und günstige Reiseart.“Einen Strich durch die Rechnung machte den Studenten eine gesetzliche Vorschrift aus dem Jahre 1934, das der Bahn quasi die Monopolstellung im deutschen Fernlinienverkehr zusicherte: Nennenswerte Konkurrenz in Form des Autos oder des Flugzeuges gab es für die Eisenbahn damals noch nicht. Wohl aber existierte der Busverkehr, der sich im Aufschwung befand. Da die Eisenbahn jedoch hoheitlich betrieben wurde, hatte die Sicherung ihrer wirtschaftlichen Existenz daher Vorrang vor der freien Wahl des Verkehrsmittels für die Bürger. Busfernlinien auf einer Strecke, auf der bereits Züge fahren, können bisher nur dann bewilligt werden, wenn sie eine „deutliche Verbesserung des Angebots bedeuten“, so die Gesetzeslage.

Diese Verbesserung liege laut Mayr-Knoch und seinen Kollegen im Preis. „Man muss sehen, dass wir eine komplett andere Zielgruppe als die Deutsche Bahn ansprechen. Wie gesagt interessiert uns nur der Gelegenheitsverkehr. Außerdem agieren wir für einkommensschwache und daher preissensible Bevölkerungsgruppen, weil Busfahrten mindestens um ein Drittel günstiger sind, als jene mit der Bahn“. Auch mofair (der Interessensverband der Wettbewerbsunternehmen im Personenverkehr) als auch die Deutsche Touring plädieren derzeit für mehr Konkurrenz und bestätigten jüngst auf einer Pressekonferenz, dass das Verlangen nach niedrigeren Preisen im Fernverkehr groß sei, wie der Boom der Mitfahrzentralen zeige. Als weiteres Argument für die Busalternative nennen sie den Einfluss auf unsere Natur und Umwelt:

So würden die Emissionen der Fernbusse deutlich unter denen des Fernbahnverkehrs liegen. mofair und Deutsche Touring plädieren – anders als beispielsweise der bdo – für eine völlige Liberalisierung des Busfernlinienverkehrs. Doch nun bleibt abzuwarten, wie der Konflikt zwischen Yourbus und der Deutschen Bahn ausgeht. „Die Bahn will uns einschüchtern und in die Knie zwingen“, beklagt Mayr-Knoch. Und ein Kollege sagt, man wolle sie hinhalten, da die Bahn selbst die Ausweitung ihres Fernlinienbusnetzes plane. Seit die derzeitige Bundesregierung angekündigt hat, den Busfernlinienverkehr zuzulassen, sei die Bahn selbst aufmerksam geworden und habe ein neues Geschäftsfeld gewittert. Doch auch wenn die politische Debatte den Yourbus-Fall nicht direkt betrifft, so zeigt er, dass die drei Jungunternehmer bereits Nägel mit Köpfen gemacht haben, während auf politischer Ebene noch um die Liberalisierung des Fernlinienverkehrs gerungen wird – und, dass nach und nach Bewegung in die derzeitige Verkehrsstruktur kommt. (nst)

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