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„Hier wird Tacheles geredet“
busplaner-Zukunftsforum auf der f.re.e 2009
ein voller Erfolg - Teil 1
„
Ich schätze die Ehrlichkeit und Kompetenz der Diskussionsteilnehmer“,
lobte Bernd Glas, Geschäftsführer von Arzt-Reisen, die Expertenrunde
des 2. busplaner-Zukunftsforums, das am 2. März auf dem Münchner
Messegelände von busplaner veranstaltet wurde. „Wir brauchen
ein solches Forum, wo Tacheles geredet wird.“
Verkaufsargument Klimaschutz, Der Ausweg aus der Dieselpreis-Falle
und Best-Ager als attraktives Neukunden-Segment“ waren
die Themen des diesjährigen Zukunftsforums, die teils
kontrovers, aber immer sehr ergiebig und lösungsorientiert
diskutiert wurden. Das Veranstaltungsmotto „Aus der
Praxis – für die Praxis“ provozierte ein
buntes Meinungsgemisch, das durch die langjährigen Erfahrungen
der jeweils vier Branchenexperten zustande kam. Moderiert
wurde das Forum von busplaner-Chefredakteur Stephan Brummet.
Modul
1 - Verkaufsargument Klimaschutz
432 Menschen in einem Bus
In der ersten Podiumsrunde diskutierten Hans-Peter Christoph, Geschäftsführer
von Avanti Busreisen, Konrad Pramsohler, Geschäftsführer von World
Wide Gruppenreisen, Rolf Pfeifer, Geschäftsführer des Forums Anders
Reisen e.V., und Ronald Berlinghoff, selbständiger Touristikmanager, zunächst über
die Frage, ob und wie Busunternehmer mit der Klimafreundlichkeit ihrer Busfahrten
werben können.
Touristikmanager Ronald Berlinghoff,
busplaner-Chefredakteur Stephan Brummet, Avanti-Geschäftsführer
Hans-Peter Christoph und Rolf Pfeifer, Geschäftsführer des
Forums Anders Reisen (v.l.n.r.), diskutierten zum Auftakt der Veranstaltung über
den Klimaschutz.
Hans-Peter Christoph hatte bereits auf der ITB 2008 eindrucksvoll
bewiesen, dass ein Bus noch etwas anderes kann, als ABC-Schützen
in die nächste Schule zu karren: Mit dem provokanten
Spruch „In meinen Bus passen 432 Menschen - ganz
bequem!“ hatte der Avanti-Geschäftsführer
damals für seine Busreise von Freiburg nach Peking
geworben. Was genau hinter diesem Werbeslogan steckte,
wollten nicht nur Moderator Stephan Brummet, sondern auch
die anwesenden Busunternehmer wissen. Schließlich
kann Busunternehmer Christoph in dem mit fünf Sternen
klassifizierten Setra-Bus höchstens 36 Gäste
befördern. „Allerdings“, so die Auflösung
des Rätsels durch den Freiburger, „ist der Schadstoffausstoß pro
Reisegast im Flugzeug 12 Mal so groß wie im Omnibus.
Die Zahl 36 muss also mit 12 multipliziert werden. Und
so kommt man auf die Zahl 432“, rechnete der Busunternehmer
vor.
Knapp
100 Gäste nahmen auch in diesem Jahr wieder am busplaner-Zukunftsforum
teil (Bild oben).
Konrad Pramsohler, Geschäftsführer von World Wide Gruppenreisen,
glaubt auch weiterhin an die Attraktivität
des Flugzeugs als Reiseverkehrsmittel (Bild rechts).
Das Thema Klimawandel gewinnt seit einigen Jahren
immer mehr an Bedeutung. Deshalb wirbt Hans-Peter
Christoph ganz
massiv mit der Tatsache, dass
der Bus das klimaschonendste Verkehrsmittel überhaupt ist. Allerdings
könne er immer nur ein Angebot machen, die letzte Entscheidung
treffe der Kunde.
Diese Erfahrung sammelte der Busunternehmer auch während seiner 70-tägigen
Busreise nach Peking. Denn auf die Frage des Moderators, für welches Verkehrsmittel
sich seine Reisegäste bei der Rückreise entschieden, musste Christoph
zugeben, dass die Mehrheit seiner Gäste mit dem Flugzeug nach Hause reiste.

Touristikberater
Ronald Berlinghoff schlug den Busunternehmern vor, sich zu fragen,
wie man das Thema Klimawandel, Ökologie und sozialverträgliches
Reisen für seinen Betrieb nutzen könne (Bild oben).
Bernd Glas, Geschäftsführer
bei Arzt-Reisen, brachte eigene Erfahrungen als Bustouristiker
in die Gesprächsrunde mit ein. (Bild rechts unten).
Reiseinhalte in den Vordergrund stellen
Rolf
Pfeifer vom Forum Anders Reisen glaubt dennoch, dass die
Bustouristik langfristig die Nase vorn haben werde. Denn
wieder steigende Ölpreise würden in
zwei bis drei Jahren dazu führen, dass die Flugtouristik drastische Einbußen
hinnehmen muss. Der Amerika-Experte Konrad Pramsohler sieht die Sache ein wenig
anders: „Wenn der Erdölpreis steigt, dann leiden auch die Busunternehmer
darunter. Denn sie müssen ihre Busse ja mit Diesel betanken. Außerdem
ist das Flugzeug in der heutigen Zeit einfach nicht mehr wegzudenken.“
Aus diesem Grund sollte sich der Busunternehmer auch nicht zu viel
auf das Verkehrsmittel selbst konzentrieren, sondern viel mehr die
Inhalte einer Reise in den Vordergrund stellen. Touristikberater Ronald
Berlinghoff schlug den Busunternehmern denn auch vor, solchen Fragen
auf den Grund zu gehen: Wie kriege ich neue Kunden? Wie nutze ich das
Thema Klimawandel, Ökologie und sozialverträgliches Reisen
für meinen Betrieb?
Sicher ist jedenfalls, dass der Busreiseveranstalter das Thema „Klima
schonen“ zu einem seiner Marketingziele machen kann. Dabei sollte
er jedoch gegenüber seinen Kunden glaubwürdig auftreten.
Anders formuliert: Ein Busunternehmer, der seine Reisen als „klimafreundlich“ bezeichnet,
muss das Thema Nachhaltigkeit zu einer ganzheitlichen Philosophie machen – gegenüber
seinen Kunden und gegenüber seinen Mitarbeitern.
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