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bdo-Kongress 2010
Optmismus getankt
Die über 300 Teilnehmer des bdo-Kongresses 2010 „Wirtschaftsfaktor Bus“ konnten eine Prise Optimismus mit nach Hause nehmen. Denn das große Branchentreffen des Busgewerbes am 16./17. März in Berlin hat durchaus Lichtstreifen am Ende des Krisentunnels erkennen lassen und das „Navi“ gen Zukunft programmiert.

Der erstmals sowohl dem ÖPNV als auch der Bustouristik gewidmete bdo-Kongress mit mehr als 300 Busunternehmern sowie hochkarätigen Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik fand im Maritim Hotel Berlin statt. In Vorträgen, Diskussionen (leider jedoch nicht im Plenum) und Fachgesprächen wurden vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise sowohl die aktuellen Probleme wie auch die entscheidenden Zukunftsthemen der mittelständischen Busbranche behandelt. Begleitet war der Kongress im 30. Jubiläumsjahr des bdo von einer Ausstellung, auf der sich wichtige Partner des Busgewerbes präsentierten, und einem kulturell-touristischen Rahmenprogramm mit exklusiver Show im TIPI-Zelt am Kanzleramt als Highlight.
Forderungen an die Politik
Schon zur Eröffnung rammte Wolfgang Steinbrück, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), gleich wesentliche Pflöcke ein, indem er die fünf Hauptforderungen des bdo an die Politik umriss:
1. Herausnahme des umeltfreundlichsten Verkehrsmittels Reisebus aus den Umweltzonen,
2. Schaffung von Reisebus-spezifischen, flexiblen Lenk- und Ruhezeiten für die Busfahrer,
3. Aufgabe der Pläne zur Einführung von Busmaut im Busfernlinienverkehr,
4. Abschaffung des grünen EU-Fahrtenblattes sowie
5. europaweit einheitliche Anerkennung von Nachweisen für arbeitszeitfreie Zeit von Busfahrern.
Steinbrück bekräftigte für den Spitzenverband der Branche: „Der bdo steht für massive, nachhaltige Interessenvertretung in Berlin und Brüssel.“
Mit Spannung wurde der Vortrag „Wirtschaftsfaktor Bustourismus“ erwartet, mit dem Dr. Bernhard Harrer vom Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif), München, die Resultate einer neuen Studie vorstellen wollte. Freilich gab’s nur erste Teilergebnisse, da „die Teilnahme von Busunternehmen bisher unbefriedigend war.“ Harrer räumte ein, dass es der Fragebogen in sich habe, der Datenschutz jedoch gewährleistet sei. bdo-Hauptgeschäftsführer Gunther Mörl rief die Busunternehmer auf, die ausgefüllten Fragebogen möglichst bis Ende April an das dwif zurückzuschicken, damit diese für Arbeits- und Argumentationszwecke überaus wichtige Studie bis zum Sommer fertig werden kann.

Dr. Kay Lindemann vom Verband der Automobilindustrie (VDA) nahm sich des Themas „Der Omnibus: Innovatives Verkehrsmittel der Zukunft“ an. Zum Stichwort „Umweltzonen“ sagte er unter Beifall: „Der Bus ist nur marginal an Feinstaubemissionen beteiligt. Deshalb muss er bundeseinheitlich Ausnahmegenehmigungen bekommen.“
Zudem plädierte Lindemann aus VDA-Sicht für eine moderne Infrastrukturpolitik und anhand des Beispiels Berlin – Hamburg mit 400.000 Fahrgästen jährlich für die Liberalisierung des Buslinienfernverkehrs. Schade, dass der Ausblick auf technische Innovationen viel zu kurz wegkam.
Rückenwind bekam der bdo auch von Seiten der Politik. So sprach sich der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, für konsequente Mittelstandsförderung sowie faire Wettbewerbesbedingungen für alle Verkehrsträger aus und kündigte die gesetzliche Novellierung des PbefG auf Basis der EU-VO 1370/2007 bis Jahresende an. Staatsekretärin Katja Kessel aus München informierte, dass in Bayern die Busförderung 2010 wieder 30 Mio. Euro umfasse. Zum modernisierten Vergaberecht nach den EU-Vorgaben referierten Prof. Dr. Holger Zuck aus Stuttgart und Prof. Dr. Jan Ziekow aus Speyer.
Anregende Impulse aus der Praxis von Bustouristik und ÖPNV vermittelten Jürgen Krause von der Weissen Flotte-Müritz und Edi Reiz, Kreisverwaltung Cochem-Zell. Diese arbeitet nach einem neuen, kreativen Nahverkehrskonzept, wodurch die Fahrgastzahlen in den letzten vier Jahren um 25 Prozent gesteigert werden konnten, z.B. durch ein Taktsystem bei Bussen, den Haltestellen-Ausbau in Dörfern und Event-Verkehre. Neu ab Mai: ein „Burgenbus“ für Wanderer.
Vorrang kommerzieller Verkehre
bdo-Vize Heino Brodschelm aus Burghausen appellierte im Schlußwort an die Politik: „Die gewerbliche Ausrichtung des PbefG muss beibehalten, der Vorrang kommerzieller Verkehre gesichert werden.“
Bei den Teilnehmern kam der 8. bdo-Kongress offenbar gut an. Zwei Statements seien hier stellvertretend genannt. Günter Fischer, Geschäftsführer der PVM Personenverkehrsgesellschaft Muldenthal bei Leipzig: „Beeindruckend die Vielfalt der Themen und der wertvolle Erfahrungsaustausch. Nehme viele neue Anregungen mit nach Hause, die ich sonst nicht bekommen hätte.“ Und der erfahrene Busunternehmer Franz-Anton Henneke aus Arnsberg im Sauerland, Mitglied des bdo-LV NRW: „Angesichts der enormen Probleme, mit denen unser Verkehrszweig zu kämpfen hat, bin ich nicht ohne Skepsis nach Berlin gefahren. Hier habe ich aber nun eine breite Unterstützung unserer Belange gespürt. Jetzt können wir alle wieder etwas optimistischer als noch vor einigen Jahren nach vorne blicken.“

Die flottesten Sprüche auf dem bdo-Kongress
„Wir befördern mit unseren Bussen anders als bei Lkw keine Schweinehälften, sondern Menschen.“
Wolfgang Steinbrück, bdo-Präsident
„Der Bus ist ein Alleskönner und so etwas wie der Held des Alltages, der unser Land mobil hält.“
Dr. Kay Lindemann, VDA
„Aus Bayern kommt ja nicht immer der Schuss in die gleiche Richtung. In der Verkehrspolitik unterstützen wir aber die Bundesregierung.“
Katja Hessel (FDP), Staatssekretärin in München
„Fahrzeuge müssen regelmäßig zum TÜV. Auch die Rechtskenntnisse sollten immer wieder auf den neuesten Stand gebracht werden.“
Rainer Noll, Stuttgart
„Als Busunternehmer muss ich selbst begeistert sein. Sonst kann ich meine Kunden nicht begeistern.“
Gunther Mörl, bdo-Hauptgeschäftsführer
Text und Fotost: Manfred Weghenkel
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